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Am Ende fängt es an...

1. Dezember 2005 - Back to the roots

Ich habe nachgerechnet und festgestellt, dass ich der Welt nichts mehr schulde. Auch habe ich keine Erwartungen mehr. Eigentlich ein guter Zeitpunkt, um zu gehen. Wenn da nicht die Aufgabe wäre, an der geschundenen Kreatur das wieder gutzumachen, was Menschen ihr angetan haben. Und jeden Tag erlebe ich aufs Neue, dass ich meine Energie nicht vergeude, dass sich jede Mühe lohnt. Das ist alles, was mir geblieben ist.

Bin zurück von einer langen und weiten Reise. Ich wollte Mensch sein unter Menschen. Ich habe die Regeln verstanden, nach denen es gespielt wird, das große Spiel. Wer nicht mitspielt, hat verloren. So einfach ist das.

Ich habe meine Wurzeln wiedergefunden. Draußen. Auf meinen stundenlangen Wanderungen durch Wald und Wiesen. Und kam zu dem gleichen Ergebnis wie vor fast dreißig Jahren: Ich passe nicht in diese Welt. Niederschmetternd. Wozu all die Kämpfe, wenn ich es immer schon wusste...

13. November 2005

Und das Sinken geschieht um des Steigens willen.

 

Buch Sohar

 

1. November 2005

Wo soll man die Worte finden

neue Farben

neue Bilder

um tausendfach Gesagtes

neu zu binden

Bin mir selbst

das schärfste Schwert

Es bricht die Welt

aus mir

Ich kann's nicht fassen

 

21. September 2005 - Ein unmoralisches Angebot

Seit es E-Mails und vor allem Spams gibt, freue ich mich über fast jeden Brief, den ich aus dem Briefkasten nehmen darf. Und weil es so angenehm ist, abseits des flimmernden Monitors Texte zu lesen, lese ich sogar unerwünschte Post. Nicht zum ersten Mal flatterte mir dieser Tage von meiner Hausbank ein Kreditangebot zu. Einerseits verständlich, weil die Damen und Herren mit meinen spärlichen Mitteln keine großen Zuwächse erwirtschaften können, andererseits sollten sie wissen, dass ich aus selbigem Grund das "schnell und unkompliziert" zur Verfügung gestellte Bargeld "zur Erfüllung eines lang gehegten Wunsches" unmöglich zurückzahlen könnte. Schon im Sommer musste ich ein ebenso großzügiges Angebot ausschlagen, obwohl man mit Vorschlägen zur Verwendung des Geldes nicht sparte. Da wäre ich fast schwach geworden. Das hätte fast Träume geweckt, die ich vorher noch gar nicht hatte. Wenn man bedenkt, dass derzeit 3,1 Millionen private Haushalte in der Bundesrepublik verschuldet oder überschuldet sind, läge ich damit sogar im Trend.

11. September 2005

Das Lächeln, das du aussendest, kehrt zu dir zurück.

 

Indische Weisheit

Es ist schön, wieder hier zu sein. Meine Sommerenergie floss in die Gestaltung einer neuen Art zu leben. Manches hat sich noch nicht eingespielt. In meinen Krisengebieten (Haushalt und Literatur) ist Land-unter, aber mit dem heutigen Tag werde ich mich auch diesen Pflichten wieder stellen (müssen).

Wie immer ist alles um mich herum ein Stück zurückgetreten, als ich mich mit der für mich in dieser Zeit dringlichsten Aufgabe beschäftigte: meinem Hund einen sicheren Platz in meinem Leben, auf dieser Welt zu schaffen. Wir haben beide hart daran gearbeitet und es war nicht umsonst. Mein Leben ist um vieles schöner und intensiver geworden - zwangsläufig auch gesünder.

Der erste meiner beiden Wünsche hat sich erfüllt. Und das viel früher als ich dachte. Es war nicht geplant. Ein Zufall. Ein Bild im Internet. Die Angst in ihren Augen.

28. Juli 2005

Eines Morgens wachst du auf und fühlst dich leicht. Wow, denkst du, ich glaube, ich habe es geschafft. Beschwingt gehst du durch den Tag und durch den nächsten und ein paar Tage weiter. Was für ein Gefühl, denkst du, ich habe es wirklich geschafft, ich bin frei, so frei wie noch nie. Vergessen die Lasten von gestern und damals - so vertraust du auf deine innere Kraft. Alles scheint möglich zu sein. Selbst dir. Also machst du dich auf, eines Morgens voller Zuversicht. Ein Schritt, ein Satz und schwuppdiwupp stehst du wieder dort, wo du immer schon warst - in deiner eigenen inneren Hölle. Und dir wird klar, dass - egal was du tust - es immer das Falsche sein wird. Nur eines verändert sich. Mit jedem Schritt den du tust, weicht die Hoffnung drei Schritte zurück. Und drehtest du dich um deine halbe Achse, würdest du sehen, wie sie eben am Horizont entschwindet.

15. Juli 2005 - Endlich

Morgen darf ich meine Celia abholen. Als ich sie gestern Abend im Zwinger zurückließ, von außen nochmal in ihre Augen sah, wusste ich, dass es an der Zeit ist.

Der richtige Zeitpunkt für uns beide. Ich hoffe nur, dass sie sich in der neuen Umgebung bald wohlfühlt, damit ich weiß, dass es die richtige Entscheidung für sie war.

Es wäre um vieles einfacher, sich einen Welpen vom Züchter zu holen. Aber wann bin ich in meinem Leben schon mal den leichteren Weg gegangen...

 

 

 

13. Juli 2005

Keiner hat es gewagt nachzufragen, trotzdem lüfte ich nun mein kleines Geheimnis.

Meine Liebste heißt Celia und kommt aus Frankreich.

Inzwischen habe ich ihr eine Seite auf meiner Homepage eingerichtet. Sie führt dort ihr eigenes Online-Tagebuch und einige Fotos habe ich auch eingebunden. Viel Spaß ;-)

10. Juli 2005 - Glücklich

Es gibt sie doch, die Liebe auf den ersten Blick.

Als ich zum ersten Mal in ihre braunen Augen sah, war es um mich geschehen.

Bald sind wir für immer zusammen. In guten wie in schlechten Zeiten. Bis dass der Tod uns scheidet.

 

21. Juni 2005 - Für die BotanikerInnen unter uns

So blühen Seifenblümchen

falls sie blühen...

In zartem Rosa, das ins Lila dingst.

 

P.S.: Wenn ich wüsste, wie man"schanschieren" schreibt,

hätt ich's geschrieben.

18. Juni 2005

Ich höre gerne das Rumpeln meiner Waschmaschine. Es gibt mir das Gefühl, dass etwas vorangeht.

Zwei Wünsche habe ich noch für mein Leben. Der eine ist eine Frage der Zeit und der Umstände und lässt sich im Grunde leicht verwirklichen, für den anderen brauche ich Entwicklung und eine kleine Portion Glück. Er wird die letzte große Frage beantworten, die ich an mein Leben habe.

44 Jahre und nur noch zwei Wünsche? Nein, das ist nicht traurig, das ist schön. Weil es bedeutet, dass ich den richtigen Weg gegangen bin.

25. Mai 2005 - Langeweile

Eine lange Weile passiert... - nichts. Rein gar nichts. Dabei ist es doch schön, Zeit zu haben, von niemandem in Anspruch genommen zu werden.

Es ist fade. Als hätte jemand den Strom abgestellt.

Ich könnte mich entspannen, mich gemütlich aufs Sofa kuscheln und lesen. Wenn da nicht diese Unruhe wäre in mir. Ich sollte etwas tun, mich bewegen. Also mit der Zigarette hinaus auf den Balkon. Im Sitzen rauchen. Im Stehen wird mir schwindlig. Lange hält die Zigarette nicht vor. Noch eine? Besser nicht. Mein Körper beschwert sich schon. Er mag dieses Gift nicht.

Ich könnte etwas essen. Mal sehen, was der Kühlschrank hergibt. Kochen mag ich nicht. Tiefkühlpizza? Hatte ich mittags schon. Hab eh wieder zugenommen.

Ob ich jemanden anrufe? Nein, ich hab keine Lust zu reden.

Wie lang eine Weile ist, wenn sie ein paar Stunden dauert.

Mann ist das öde. Erzählen darf ich das keinem. Wo ich nichts mehr vermisst habe, als Zeit für mich. Und nun?

Ich könnte etwas schreiben. Aber was? Mir fällt nichts ein. Nie fällt mir etwas ein, wenn ich Zeit habe.

24. Mai 2005

Heute habe ich tatsächlich ein Verlobungsgeschenk bekommen. Leckere Naschereien.

Überhaupt esse ich seit einigen Tagen für zwei. Blöd ist nur, dass jetzt ein Teil von mir ungeheuer fett wird, während der andere verzweifelt nach den Notizen für die Fortsetzung der Maus-Geschichte sucht.

22. Mai 2005

Was für eine laue Nacht.

Ich hätte Lust, etwas Verrücktes zu tun.

 

21. Mai 2005 - Ein ganz spezieller Gruß:

Liebe Lilikühe der ersten und späteren Stunden!

 

Nicht vergessen:

Ihr hättet viele Möglichkeiten :-)))

Und hier noch etwas aus meiner Zettelwirtschaft:

Die Glücksformel für Partnerschaften lautet 1:5

Ein Streit wird durch fünf positive Erlebnisse aufgewogen.

Quelle: nicht notiert, könnte im TV Jürgen Fliege gewesen sein

 

20. Mai 2005 - Bekanntmachung

Nachdem es sich (zumindest in Schwabach) ohnehin bald herumsprechen wird, möchte ich an dieser Stelle nunmehr offiziell bekannt geben, dass ich mich am Mittwoch, dem 18.5.2005, verlobt habe. Dieses geschah zwar spontan, jedoch aus einer tiefen, inneren Erkenntnis heraus. Mir ist klar geworden, dass ich der treueste und zuverlässigste Mensch bin, den ich kenne. Für den bodenständigen Teil meines Wesens sind dies Tugenden von lebenswichtigem Wert, der künstlerische Teil von mir kann sich ohne diesen sicheren Halt nicht entfalten. Ich bin sehr glücklich mit dieser Entscheidung und trage als Zeichen meiner Verbundenheit mit mir seitdem einen schlichten Ring mit einem glitzernden Stein am rechten Ringfinger.

16. Mai 2005 - 500 Seiten (Charlotte Delbo: Trilogie - Auschwitz und danach)

Wie war Ihr Wochenende, wird man mich fragen, wie verbrachten Sie Pfingsten? Das Wetter war ja nicht so besonders.

Das Wetter? werde ich fragen. Welches Wetter? Ich habe es nicht bemerkt. Ich habe gelesen.

Ach? Gelesen? Was denn? War es denn gut, das Buch, das Sie lasen?

Eines der intensivsten, die ich jemals gelesen habe. Ich möchte es gerne weiterempfehlen. Aber man muss bereit sein, dem Tod näher zu treten als dem Leben, während man liest und darüber hinaus.

Warum lasen Sie es dann? Zwischendurch schien die Sonne. Warum gingen Sie nicht hinaus?

Weil ich drinnen war. In jenen, die überlebten. Weil ich in Auschwitz war und in Ravensbrück. Weil ich verstehen möchte. Ein klein wenig verstehen vom Unbegreiflichen.

* * *

 

[...]

Ich beschwöre euch

tut etwas

lernt einen Schritt

einen Tanz

etwas was euch rechtfertigt

was euch das Recht gibt

auf eure Haut auf eure Haare

lernt zu laufen und zu lachen

weil es zu dumm wäre

am Schluß

daß so viele gestorben sind

und daß ihr lebt

ohne etwas aus eurem Leben zu machen.

 

Charlotte Delbo

13. Mai 2005

Immer wieder tun sich Löcher auf im Leben.

 

Und was mache ich jetzt mit der freien Zeit, die ich haben werde?

Schreiben, sagt meine Schwester.

Dafür liebe ich sie.

9. Mail 2005 - Der letzte Schrei: Bäääääääääääääääääähhhhhhhh!

Aus der Ärzte-Zeitung:

Wundermittel aus Indien: Kuh-Urin

"Die Milch macht's" - so heißt es bei uns. In Indien, dem Land der heiligen Kühe, geht man einen Schritt weiter: "Urin von der Kuh macht's". Denn Kuh-Urin zu trinken, sei dort das neue Wunderheilmittel, berichtet die britische Online-Agentur "Ananova".

Yoga- und Homöopathie-Experten aus Hyderabad empfehlen Kuh-Urin als Heilmittel gegen alle möglichen Krankheiten. "Die meisten unserer Kunden sind Diabetiker oder Krebspatienten", so Balagopala Swamy, der Kuh-Urin verkauft.

Offenbar gehe das neue Wundermittel sehr gut, denn man sehe jetzt die Besitzer von Kuhherden nur noch lachend zur Bank gehen, heißt es in der Zeitung "Calcutta Telegraph".

Einer von ihnen ist Ananda Mai: "Früher haben wir Kuh-Urin an ein paar ausgewählte Kunden verkauft", erzählt er. "Aber seit zwei Monaten ist die Nachfrage stark gestiegen. Sogar einfache Leute fragen jetzt danach. Wir filtern den Urin und verkaufen ihn flaschenweise."

 

 

 

21. April 2005

Wegen der regen Nachfrage das Mäuseschicksal betreffend muss ich mich entschuldigen. Natürlich geht die Geschichte weiter, alles ist längst geschehen und es gibt auch einige Notizen dazu, ich habe es nur zeitlich noch nicht geschafft, sie richtig aufzuschreiben.

Heute ist es mir außerdem ein großes Anliegen, mich bei euch zu bedanken. Ich habe in den letzten Tagen viel Zuspruch und Bestätigung erfahren, auch wenn es dem einen oder anderen nicht bewusst war. Für mich war das gerade in dieser Zeit sehr wichtig. In den letzten Monaten glaubte ich, meine Sprache verloren zu haben, glaubte nicht mehr an die Kraft meiner Worte. Heute weiß ich: Das ist das Schrecklichste, was mir passieren kann. Ich schreibe in erster Linie für mich - weil ich es einfach tun muss. Aber wenn andere daran teilhaben, wenn es über mich hinausgeht - das ist das größte Glück.

9. April 2005 - Mit Speck?

Ich war einkaufen in aller Frühe. 1,00 Stück Drahtkäfigmausefalle 1 Eingang.

Der Verkäufer kam mit dem geflügelten Wort, das mir morgens auch schon eingefallen war, sprach noch von Käse und Weizen.

Aber welche Sorte Käse und wo bekomme ich so wenig Weizen und warum gibt's bei PLUS keinen Speck? Sollte der Käse etwas kräftiger riechen oder wird Gouda genügen, für den ich auch sonst noch Verwendung hätte und wird es mit geräuchertem Schinken vielleicht auch klappen? Da hätte ich noch was, der müsste weg, der liegt mir zu schwer im Magen.

Und wenn dann also der Köder aufgespießt, die Falle am besten neben dem Kühlschrank aufgestellt ist, denn dahinter hörte ich das Tierchen gestern munter knabbern, hoffentlich an geraubtem Katzentrockenfutter statt am Kabel, wenn alle Vorbereitungen sich als passend erweisen und das Tier nun hineinläuft und zu knabbern beginnt und hinten die Klappe herunterschnellt - die Maus hat ja Platz in der Falle, aber was wird aus ihrem Schwanz? Ich stelle mir vor, wie ich morgens meinen verstümmelten Fang vorfinde, ein abgehacktes Stück Mäuseschwanz vor der Falle auf dem Boden und Blut, das ich vergossen habe - mir wird übel, das geht gegen meine Prinzipien und gegen den guten Geschmack sowieso.

Aber was soll ich tun? Ich habe sie nicht eingeladen, der Kater war schuld. Das größte Zeichen seiner Dankbarkeit und Liebe mir gegenüber ist es, mir seine Beute lebend zu überlassen, damit ich meinem eigenen Jagdtrieb frönen kann. Vielleicht ist er auch der Ansicht, dass ich noch viel üben muss. Schließlich hat er mich ja nie mit Beute nach Hause kommen sehen. Jedenfalls nicht mit einer Maus. An Vögel wollen wir an dieser Stelle erst gar nicht denken. Der Kater hat also Mitleid mit mir. Ich hab Mitleid mit der Maus. Mitleid bringt uns nicht weiter. Ich sorge mich um meinen Kühlschrank und meine Bücher. Es ist auch nicht schön, in der morgendlichen Eile an Arbeitstagen in einen Schuh zu schlüpfen, der bereits besetzt ist. Gut, man ist dann wirklich wach, der Herzschlag verdoppelt sich für eine halbe Minute, aber schön ist das nicht.

Mir tut die Maus trotzdem Leid. Obwohl es gar nicht sicher ist, ob sie in die Falle gehen wird. Wer weiß, wieviel Vorräte sie bereits gesammelt hat. Die Katzenschüssel war fast leer am Morgen. Da hält sie locker ein paar Tage durch, ohne zu verhungern. Wie lange ist ein Mäuseschwanz? Liegt er ausgestreckt, wenn sie zu fressen beginnt, an ihrem Köder ruckelt, die Falle zuschnappt? Ich fragte den Verkäufer nach einer Lebendfalle. Vielleicht hätte ich noch erwähnen sollen, dass ich das Tier im Ganzen fangen möchte - unbeschädigt. Es soll doch Freude haben, an seinem Leben danach.

3. April 2005 - Es frühlingt

22. Februar 2005

sprachloser denn je

 

weit und breit

kein Wort

der Himmel verhangen

unter den Füßen

Eis

8. Januar 2005

Vogelgezwitscher

Jacke zu warm

Spaziergänger strömen

Sonne blendet

aus der Wintertiefe

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