Celia - Liebe auf den ersten Blick

 

 

Für Celia

 

Ich kann nicht essen

kann nicht schlafen

Jeder Gedanke

eilt hin zu dir

Nichts wichtiger

als von dir zu sprechen

Nichts schöner

als dein leises Grunzen

während ich dich kraule

Ich glaube es würde

dir nie zuviel

Ich glaube du würdest

mir nie zuviel

Es gibt sie wohl doch

die Liebe

auf den ersten Blick

 

 

Helga Hochmann

3. Juli 2005, 0:11 Uhr

 

 

 

 

 

 

Celias Tagebuch

 

(letzter Eintrag oben - zum Anfang hier klicken)

 

 

Donnerstag, 12. Januar 2006 - Celia

 

Fraule sagt, ich bin ein eifersüchtiges Weib. Stimmt! Schließlich habe ich sechs Jahre gewartet, bis ich den richtigen Menschen für mich gefunden habe.

 

Am wenigsten ertrage ich es, wenn Fraule den Kater streichelt. Der hat das überhaupt nicht verdient. Der tut doch gar nix dafür. Liegt nur die ganze Zeit herum und schläft so vor sich hin, falls er nicht grad am Fressen ist. Wer begrüßt Fraule angemessen, wenn sie vom Einkaufen nach Hause kommt? ICH! Der Kater pennt seelenruhig weiter. Und wer sorgt dafür, dass Fraule jeden Tag an die frische Luft kommt und trabt mit ihr stundenlang durch die Pampa? ICH! Ist doch klar, dass ich dazwischen gehe, wenn sie einen fremden Hund streichelt. Natürlich würde ich dem anderen nie weh tun deswegen. Aber in solchen Momenten MUSS ich Fraule daran erinnern, zu wem sie gehört. Zu mir nämlich. Ganz allein zu MIR. So einfach ist das.

 

 

 

 

 

Freitag, 6. Januar 2006 - Helga

 

Alles auf Anfang...(?)

Der Rückfall zur Jahreswende

 

 

Es war wohl doch zu schön gewesen. Celia hat mit ihrer Entwicklung in den letzten Monaten all meine Träume erfüllt, mehr als ich zu hoffen gewagt hatte. Im November hatten wir nochmals eine Stunde bei unserem Hunde-Menschen-Trainer, der erfreut feststellte, dass Celia nun den Eindruck eines glücklichen und zufriedenen Hundes macht, kein Vergleich zu unserem ersten Besuch bei ihm. Celia hatte einiges von ihrer Schreckhaftigkeit verloren, selbst einzelne Schüsse im Wald beunruhigten sie nicht mehr. Entspannt gingen wir unserer Wege bis zu dem Tag, als es die ersten Feuerwerkskörper zu kaufen gab. Nicht das Mitternachtsfeuerwerk war das große Problem, Celia hielt ertrug es für ihre Verhältnisse relativ gelassen. Es waren die einzelnen Knallkörper, die in den Tagen vor Silvester bis heute gezündet wurden. Jeder einzelne, den Celia hört, und ist er auch noch so weit weg, jagt ihr inzwischen wieder Todesangst ein. Die Häufung dieser unvermittelten Schüsse, bei jedem Spaziergang sind es mindestens einer oder zwei, haben ihr die vertrauten Wege und Wiesen wieder zur Gefahrenzone werden lassen. Es hat nicht viel Sinn, sich darüber aufzuregen, mit der Silvesterknallerei müssen wir leben. Wenngleich ich schon hätte ausrasten können, als ich am hellichten Tage nach Silvester Männer auf Gehwegen Knallkörper zünden sah.

 

Als Celia heute selbst auf ihrer Lieblingswiese in den altbekannten (aber fast vergessenen) Sitz- und Liegestreik trat, wurde mir erst das wirkliche Ausmaß ihrer Verstörung bewusst. Ich hatte einen überaus nervösen, angstvollen Hund vor mir, der nur noch nach Hause wollte. Und das nach einem einzigen Knall, den ich selbst kaum wahrgenommen hatte. Ich ging mit ihr um, wie ich es gelernt hatte - ich ging mit ihr weiter. Wir kamen an die Stelle, wo es vor zwei Tagen geknallt hatte. Celia wusste es noch. Sie warf sich mit eingeklemmtem Schwanzstummel auf den Boden.

 

Ich weiß, was ich zu tun habe. Ich werde weiter mit ihr arbeiten. An mir ging der Jahreswechsel an sich ohne jegliche Gefühlsregung vorbei. Fast hätte ich mir ein wenig Wehmut gewünscht, um überhaupt zu spüren, dass das ein besonderer Moment ist (sein soll). So blieb von dem ganzen Zauber nur die Sorge um Celia, ihren tagelangen Stressdurchfall und die Einschränkung in ihrer Lebensqualität durch diese zusätzliche Belastung. Es ist so schade. Aber wir holen uns alles zurück. Das verspreche ich dir!

 

 

 

 

Donnerstag, 27. Oktober 2005 - Celia

 

Heute habe ich mich wissenschaftlich betätigt. Mein Forschungsauftrag lautete: "Wie sieht mein Schmuseknautschball von innen aus?" Und das ist die Antwort:

 

 

Forschen ist übrigens seeehr anstrengend...

 

 

 

 

 

Sonntag, 23. Oktober 2005 - Celia

 

Sicher habt ihr euch gefragt, wie wir zur Grenze gekommen sind. Mit dem Auto natürlich und ein ganzes Stück zu Fuß. Fraule und ich waren nämlich im URLAUB. Ja, jetzt weiß ich, was das bedeutet. Urlaub heißt, dass Fraule putzt und stapelt, alles mögliche in Taschen packt und dann alles ins Auto stopft, bis nichts mehr rein passt. Mein Platz im Kofferraum war natürlich wie immer frei für mich. Wir waren ganz schön lange unterwegs, weil wir eine Stunde im Stau standen. Hat mir aber nichts ausgemacht, weil ich beim Autobahn fahren eh immer penne. Ist ja langweilig. Nix zu sehen außer Autos.

 

Eine Woche wohnten wir in einem fremden Haus. Das war überhaupt nicht schlimm, weil mein Körbchen schon dastand, als ich in unser neues Zimmer kam und ich auch dort auf meiner großen Decke vor Fraules Bett schlafen durfte. Fast wie daheim, nur viel schöner. Wenn wir aus dem Haus raus gegangen sind, gab's gleich Wiesen und Felder und viele Bäume und einen See. Die ganze Zeit über war ich mindestens so brav wie zu Hause und nach ein paar Tagen hab ich mich dort so wohl gefühlt, dass ich mit Fraule ewig dort geblieben wäre. Schade war nur, dass ich dort nicht richtig rennen und buddeln konnte. Das hat mir dann doch gefehlt.

 

Wir sind viel spazieren gegangen. Ins Wasser hab ich mich fast gar nicht getraut, obwohl mich Fraule immer wieder überreden wollte. Dabei ist sie ja selber nicht rein, weil es ihr zu kalt war. Mir hat es gereicht, um die Seen herumzulaufen. Dabei sind wir vielen netten Hunden und Menschen begegnet.

 

Wir waren am Weißensee

 

 

und am Hopfensee

 

 

und am Alatsee

 

 

Fraule sagt, ich bin nach jeder Wanderung stundenlang ins Koma gefallen. Ich kann mich nur daran erinnern, dass es danach lecker Fressen gab. Fraule hat sich nach dem Mittagessen mit dem dicken Harry Potter aufs Bett gelegt, und dann war es ganz still und ich hab die Augen zugemacht. Irgendwann gabs dann wieder Fressen und Laufen und Körbchen...

 

 

Alles in allem fand ich den Urlaub klasse. Schon deswegen, weil wir nicht arbeiten mussten und ich den Kater nicht von Fraule wegscheuchen musste. Der durfte nämlich nicht mit.

 

 

 

 

Mittwoch, 5. Oktober 2005 - Celia

 

Fraule wollte mich heute über die Grenze schaffen. Echt wahr. Von Bayern nach Tirol. Bin ich aber nicht mitgegangen. Obwohl sie schon mit beiden Beinen drüben stand, hab ich meine altbewährte Sitzblockade angewandt. Wenn ich nicht wäre, säßen wir jetzt im Knast. Da war nämlich ein Schild auf dem stand, dass Hunde nur mit gültigem Tollwutimpfnachweis rüber dürfen. Klar bin ich geimpft. Aber die Papiere lagen ja in unserem Appartement. Wenn ich nicht immer aufpassen würde...

 

 

Ab nach Tirol? Nicht mit mir!

 

 

 

 

Donnerstag, 29.9.2005 - Celia

 

Seltsame Dinge geschehen

 

Irgend etwas stimmt hier nicht. Fraule räumt auf und putzt und legt Sachen auf einander und bringt sie raus. Dauernd läuft sie hin und her. Ich weiß gar nicht, was das soll. Also habe ich beschlossen, dass ich nicht von ihrer Seite weiche. Am Ende geht sie raus und kommt nicht zurück. Vorhin hat sie mich sogar gebürstet und immer wieder gesagt, wie schön ich bin - dabei ist noch gar nicht Wochenende. Heute ist frei und morgen müssen wir wieder ins Büro. Aber deswegen macht sie sonst nie so nen Zirkus vorher. Ich weiß nicht was es ist, aber etwas ist anders. Das spüre ich ganz genau... *seufzzz"

 

Der Max hat das übrigens auch schon bemerkt. Letzte Nacht hat er auf Fraules Bett so laut geschnurrt, dass ich davon wach geworden bin. Und das nicht nur einmal. Wenn ich nicht ganz sicher wüsste, dass Fraule mich lieb hat, würde ich mir ernsthaft Sorgen machen.

 

 

 

 

Sonntag, 25.9.2005 - Celia

 

Wie gut, dass es überall Menschen gibt, die über Sitte und Anstand wachen. Sonst wüssten Fraule und ich vielleicht gar nicht, was wir dürfen und was nicht.

 

Unbestritten ist, dass ich ein besonders schöner und lieber Hund bin, der ja so eine schlimme Vergangenheit hat und nun die beste Zeit seines Lebens leben darf. Dass ich hin und wieder belle, wenn kleine oder große Menschen direkt vor meinem Balkon herumschleichen oder wenn ein anderer Hund am Grundstück vorbei läuft, dass ich einmal in drei Monaten so nen Durchfall hatte, dass ich mich morgens um Drei im Dunkeln auf der Wiese hinter dem Haus erleichtern musste (Fraule dachte, ich hätte nur gepinkelt), dass ich an vier Stellen auf dem Grundstück mit Begeisterung buddle - das alles hätte nie passieren dürfen und soll nie wieder vorkommen. Anweisung von oben. Vor allem meine geliebten Mulden sind der Wächterin verhasst. Obwohl sie allesamt am Rande liegen, wo eigentlich keiner was verloren hat, kann man sich darin angeblich "den Hals brechen". Noch schlimmer wäre es wahrscheinlich, wenn "die Leute darüber reden" würden.

 

 

 

 

Freitag, 23.9.2005 - Celia

 

Heute habe ich den ganzen Tag im Büro geschuftet. Boah war das anstrengend. Vor allem nach dem Mittagessen. Ich hätte ja zu Hause bleiben können. Aber als ich merkte, dass Fraule aus dem Haus will, hatte ich die Hoffnung, dass wir vielleicht einen schönen Spaziergang machen. War aber nicht. Keine Abzweigung, die Richtung Äcker und Wiesen geführt hätte, wollte sie gehen, obwohl ich immer wieder aufs Neue versuchte, sie davon zu überzeugen. Na gut, dachte ich, bin ich wenigstens in ihrer Nähe, hat ja auch was. Ich weiß nicht, ob das sonst auch so ist, weil ich ja normalerweise nachmittags zu Hause penne. Jedenfalls hat es jedes Mal geläutet, wenn ich grad mitten im schönsten Nickerchen war. Das hieß also: aufstehen, bellen, zur Türe laufen, nochmal bellen und guggen, ob da ein Bösewicht herein will. Dabei hätte ich mir den ganzen Aufwand sparen können, weil nur Leute ins Büro kamen, die ich eh schon kenne. Damit es nicht ganz umsonst war, hab ich mich von allen ein bisschen streicheln lassen, hab mich wieder hingelegt, bin eingeschlafen - und schon begann das Ganze wieder von vorne. Wie gut, dass ich eigentlich nur einen Halbtagsjob habe. Das hält ja kein Hund aus.

 

 

 

 

Sonntag, 19.9.2005 - Celia

 

Leute, ich hab was tolles entdeckt. Ich hab jetzt nämlich ein Hobby: Löcher graben. Aber das mach ich nur zu Hause. Überall dort, wo kein Gras ist. Am liebsten im Blumenbeet, aber am Rand des Wäscheplatzes macht es auch Spaß. Heute hab ich sogar an zwei Kuhlen gleichzeitig gebuddelt, als Fraule hinter mir her war. Bin einfach von einem Loch zum anderen gerannt und hab dort weiter gegraben, solange ich Zeit hatte. Ihr habt ja keine Ahnung, wie schnell ich sein kann - beim Rennen und beim Buddeln. Fraule findet das nicht so toll, aber das ist mir egal. Hätte nie gedacht, dass mich etwas so begeistern kann. Nein, ich suche keine Knochen und Mäuse. Ich möchte nur schöne große Mulden haben, in denen ich mich verstecken kann, wenn Fraule mit mir Fangen spielt. Aus denen kann ich nämlich super schnell herausschießen, wenn Fraule in meine Nähe kommt und wie der Blitz rase ich dann an ihr vorbei zum nächsten Versteck.

 

Das fühlt sich gut an, ohne Leine herumrennen zu dürfen. Schade, dass das draußen nicht geht. Aber mit der 5m-Leine beim Gassigehen ist das auch ok. Ich bleibe einfach ein Stück hinter Fraule zurück und überhole sie dann im Galopp. Meistens ruckt es nicht mal am Halsband. Ich kann schon ziemlich gut abschätzen, wieviel Platz ich habe bis zum Ende der Leine. Wenn Fraule merkt, dass ich zu weit bin, gibt sie mir rechtzeitig Bescheid. Dann höre ich auch auf sie. Ich hab nämlich keine Lust, einen Kopfstand zu machen. Bin froh, dass ich Sitz und Platz gelernt habe. Das muss erst mal reichen.

 

 

 

 

 

 

Samstag, 10.9.2005 - Helga

 

Es ist vollbracht. Wir sind im Alltag angekommen

 

Acht Wochen im Hause Hochmann - Eine Art Abschlussbericht

 

Natürlich sind Celia und ich noch lange nicht am Ende, weil wir - solange wir zusammen sind - immer mit- und aneinander arbeiten werden (müssen). Aber wir sind an einem Punkt angekommen, an dem ich sagen kann: Selbst wenn es keine weiteren Fortschritte geben würde, könnten wir glücklich und zufrieden miteinander leben.

 

Celia hat in den acht Wochen so viel gelernt, dass sie mein Leben mit mir teilen kann, ohne extremen Anspannungen ausgesetzt zu sein. Ohne die Einzelstunden bei Herrn Füger von der Hundeschule Waldblick in Heideck hätten wir das nie geschafft. Ich würde mir immer wieder diese Unterstützung holen, wenn ich sie bräuchte. Jedem Hundehalter in ähnlicher Situation, der mit "Problemhunden" noch keine Erfahrung hat, kann ich diesen Weg nur empfehlen. Wenn ich an meine Verzweiflung in den ersten Wochen denke, meine Hilflosigkeit... Man muss einfach wissen, wie man im speziellen Fall unterstützend einwirken kann. Und bereit sein, das eigene Denken und Handeln immer wieder zu prüfen und zu ändern. Am meisten zu lernen habe ich als Halter.

 

Nie hätte ich gedacht, in so kurzer Zeit Celia dazu zu bringen, dass sie freiwillig mit mir das Grundstück verlässt, eine Straße entlang geht, Kreuzungen überquert, ohne mich in panischer Angst hinter sich herzuziehen. Natürlich gibt es noch Bereiche, die sie überfordern. Stark befahrene Straßen, belebte Plätze... Aber ehrlich gesagt, bin ich selbst nicht erpicht darauf, mich an solchen Orten länger aufzuhalten.

 

Ich habe gelernt, mit ihrer Angst umzugehen, sie auf die richtige Weise zu unterstützen, sie mit der sogenannten Zivilisation vertraut zu machen. Jeder Spaziergang ist ein Üben und Lernen und Arbeiten. Ich weiß, was ich ihr zumuten kann, in welchem Maße ich sie fordern darf und muss, damit sie sich mehr und mehr an das gewöhnt, was uns umgibt.

 

Ihre Sitz- und Liegestreiks sind fast schon vergessen - ebenso die Zeit, in der sie sich nur im Wald entspannt bewegen konnte. Wir brauchen keine Bäume mehr - und wenn wir zu ihnen zurückkehren, ist es für uns beide ein ganz besonderer Genuss.

 

Unser Miteinander hat einen gut lebbaren Rhythmus gefunden und es gibt keinen Weg, keine Fahrt, vor der ich zurückschrecken müsste. Celia geht mit mir wohin ich sie führe. In kleinen Schritten nimmt sie mehr und mehr Kontakt mit mir auf, wenn wir unterwegs sind. Sie hat die Ruhe, auf mich zu achten, mir zu folgen, zu mir zu kommen, wenn ich sie rufe.

 

Sähe man uns an einer roten Ampel stehen, käme keiner auf die Idee, dass es die Celia aus dem Feuchter Tierheim ist, die nach verbaler Aufforderung brav Sitz macht, den Verkehr beobachtet, sitzen bleibt, bis Fraule "komm" sagt. Klar hat sie es eilig, auf die andere Straßenseite zu kommen. Aber es ist nicht mehr die Panik der ersten Wochen, die sie treibt.

 

Celia hat das Herz aller Menschen in meinem Umfeld erobert. Ihr ruhiges, vorsichtiges Wesen nimmt auch Menschen, die mit Hunden nicht so vertraut sind, schnell die Angst. Und wenn sie sich dem anderen dann nähert, vertrautere Personen mit zunächst verhaltener Freude begrüßt, kann ihr keiner widerstehen. Selbst meine Mutter, für die das Thema "Hund" immer "kein Thema" war, bei der ich im Vorfeld mein Diplom in Überzeugungsarbeit abgelegt habe, ist Celia so verfallen, dass sie sogar mit ihr schmust (ja, hin und wieder geschehen noch kleine Wunder). Was für ein Glück, dass Celia sich trotz Misshandlung und wenig menschlicher Zuwendung in den vergangenen sechs Jahren die Offenheit für Menschen bewahrt hat.

 

Mit Kindern hat sie nach wie vor Probleme. Sicherlich hat das einen Grund, doch den werden wir leider nie erfahren.

 

Mein Kater lebt auch noch. Er musste auf seine alten Tage einige Abstriche machen, was die Nähe zu mir angeht. Celia ist nicht böse zu ihm, lässt ihn meistens in Ruhe, fordert ihn manchmal zum Spielen auf (was der Kater natürlich überhaupt nicht als solches versteht), aber sie lässt ihn tagsüber nicht in meine Nähe. Deshalb musste ich nun in meiner Konsequenz Max gegenüber Abstriche machen und ihn in bei mir schlafen lassen, damit er überhaupt noch Nähe zu mir hat. Ins Bett darf Celia nämlich nicht, ihr Schlafplatz ist auf dem Boden neben meinem Bett. Celia hat das von Anfang an akzeptiert, sie hat nur zweimal versucht, ebenfalls aufs Bett zu springen. Um das Sofa hat sie ja zwei Wochen lang vergeblich gekämpft, ehe sie sich damit abfand, dass das ausschließlich mein Platz ist.

 

Nach dem Abendspaziergang gibt es häufig wilde Runden auf unserem Grundstück. Celia bewegt sich dort inzwischen so frei, dass sie wie von der Tarantel gestochen vom Hoftor ums Hauseck herum bis ins hinterste Eck der Wiese galoppiert und wieder zurück. Anfangs musste ich noch mitrennen, nun reicht es, wenn ich irgendwo stehe und sie verbal anfeuere, mit den Armen wedle oder einige Schritte auf sie zu mache. Wenigstens bin ich hernach nicht mehr so schweißüberströmt wie zu Anfang. Meinen Hund so lebendig zu sehen - die pure Lebensfreude - ist das größte Geschenk. Ehrlich gesagt, bin ich auch sehr stolz darauf - denn ein wenig habe auch ich dazu beigetragen, diesem Hund ein einigermaßen artgerechtes Leben zu ermöglichen.

 

Ihr habt ja schon bemerkt, dass die Regelmäßigkeit der Einträge in diesem Tagebuch nachgelassen hat. Zum einen waren wir in den letzten Wochen reichlich beschäftigt (wir waren ja an meinen freien Tagen 5 x zum Training in Heideck), zum anderen gibt es nun keine gravierenden Veränderungen mehr. Unser Leben verläuft in ruhigeren Bahnen, alles hat sich gut eingespielt und wir lernen uns immer besser kennen und verstehen. Es gab keinen Augenblick, in dem ich meine Entscheidung, Celia zu mir zu nehmen, bereut habe. Im Gegenteil. Je mehr wir aneinander wachsen, umso überzeugter bin ich davon, dass kein anderer Hund besser zu mir gepasst hätte.

 

Das schönste Kompliment erhielt ich diese Woche von meiner Mutter, nachdem sie Celia und mich vom Büro hatte heimlaufen sehen. Es war der schlichte und für mich doch so gehaltvolle Satz: "Ihr seid ein schönes Paar."

 

 

 

 

 

 

Montag, 22.8.2005 - Celia

 

Der Schmunzler des Abends

 

Auf dem Rückweg vom Abendspaziergang gehen wir (zwecks der Übung, sagt Fraule) in eine Seitenstraße. Hinter einem parkenden Auto springt ein schwarzer Wuschelhund hervor, der an einer dünnen Leine hängt, die immer länger wird. Eines wird sofort klar: Er will zu mir. Am Ende der langen Leine hängt ein stämmiges Fraule, das mit ausladenden Armbewegungen versucht, die Flexi-Leine einzuholen. Es gelingt ihr nicht so recht und der Hund versucht immer noch, an mich heranzukommen. Mein Fraule hält mich sicherheitshalber kurz. Weil Fraule schon drei Hundebücher gelesen hat, zwei Doppelstunden beim Trainer absolviert hat und außerdem von anderen Leinenhaltern gelernt hat, wie man mit fremden Leuten spricht, fragt sie fachmännisch: "Ist das ein Rüde?" Die andere Frau, die noch immer versucht, ihr hüpfendes Knäuel zu sich heranzuziehen, überlegt eine Weile, dann antwortet sie: "Ach, das ist ein Mischling."

 

Naajaaa. Was auch immer das war, dieses Wesen interessierte mich nicht. Ich war damit beschäftigt, mich in der fremden Straße zurechtzufinden. Es ging auch ganz gut. Fraule hat sich nämlich einen neuen fiesen Trick ausgedacht. Sie hat mich nicht mehr ganz kurz genommen, als ich weiterziehen wollte (was ich immer noch machen muss, wenn mir etwas nicht geheuer ist), sie ist dann auch nicht stehen geblieben, sondern sie ist gaaanz langsam gelaufen. Das ist vielleicht ätzend, wenn man nach Hause rasen will und man das Gefühl hat, dass es nur noch im Schneckentempo vorangeht. Ist mir ziemlich schnell klar geworden, dass wir auf die Art kurz vor der Haustüre bestimmt den nächsten Regenschauer abkriegen. Und davon hatten wir wirklich genug in den letzten Tagen. Hab ich mich halt bemüht, mein Tempo zu mäßigen. Dann ging es plötzlich.

 

Ja, ihr habt richtig gelesen. Wir laufen auf Straßen. An Häusern vorbei. Am Wochenende waren wir zwar wieder in unserem alten Wald, aber sonst geht Fraule mit mir jetzt immer von der Haustüre weg. Da müssen wir ein längeres Straßenstück hochlaufen, dann über eine wirklich ganz gemeine Kreuzung mit vielen vielen Autos, vor der ich immer noch großen Respekt habe, und dann noch einen schmalen asphaltierten Weg, bis wir zu den Wiesen und Äckern kommen. Weil wir das seit Donnerstag jeden Tag geübt haben, geht es jetzt schon recht gut und ich muss mich fast nicht mehr aufregen dabei. Fraule hat sich ausgedacht, dass ich jetzt immer Sitz machen muss, bevor wir über eine Straße gehen. Vor allem an der fiesen Kreuzung beruhigt mich das ein wenig. Wir warten auch nie direkt am Straßenrand, darüber bin ich sehr froh. Wenns dann weitergeht, muss ich schon noch an der Leine ziehen, weil Fraule nicht so schnell laufen mag, wie ich es gerne hätte. Aber ich hab mich schon gebessert und renne nicht mehr kreuz und quer vor ihren Füßen herum, wenn ich Angst habe. Und dass ich nun den ganzen Weg zu Fuß zur Arbeit gehe, versteht sich von selbst. Ist ja lächerlich, die paar Meter mit dem Auto zu fahren. Okay, ich geb zu, ganz so einfach geht das noch nicht, aber auch dabei gebe ich mir große Mühe und Fraule hat heute gesagt, dass es schon viel besser geworden ist.

 

Und mein Lieblingsstreichler im Büro hat auch gesagt, dass ich mich schon ganz arg verändert habe und bestimmt noch ein ganz toller Hund werde.

 

Nur das mit dem Gewitter heute nach 17.00 Uhr, das war nicht so schön. Fraule war nämlich noch im Büro (ich arbeite ja nur vormittags) und ich mit dem Kater allein zu Hause. Ich war fix und alle, das kann ich euch sagen. Das hat dermaßen gekracht, direkt über unserem Haus, dass ich gedacht hab, jetzt ist alles aus. Gottseidank ist Fraule dann bald nach Hause gekommen. Ich war sooo froh, als sie da war, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Wenn ich rangekommen wäre, hätte ich ihr vielleicht sogar das Gesicht abgeleckt, obwohl ich das noch nie gemacht habe. Am liebsten wäre ich in sie hineingekrochen. Keine Sekunde hab ich sie aus den Augen gelassen. Bin ihr sogar ins Badezimmer hinterher gelaufen, obwohl ich mich bis jetzt noch nie dort hineingetraut habe. Und dann hab ich mich an die Wohnungstüre gesetzt, damit sie heute auf keinen Fall mehr ohne mich aus dem Haus gehen kann. Einmal hat es dann noch gedonnert, da hab ich mich in mein Körbchen verzogen. Das ist der einzige wirklich sichere Ort bei Gewitter.

 

 

 

 

Donnerstag, 18.8.2005 - Helga

 

Das Ende der Käselockhocke

 

Was wir schon immer ahnten und nun mit Sicherheit wissen: Mit Samthandschuhen vertreibt man keine Ängste.

 

Was wir ebenfalls wussten: Bei Unsicherheit Sicherheit schaffen, indem man sich Hilfe bei qualifizierten Fachleuten sucht.

 

Und wenn man dann noch das nötige Quentchen Glück hat, findet man einen Hundetrainer, der mit Problemhunden umzugehen weiß und mit dem der Halter auf einer Wellenlänge liegt. Ich würde sagen: Celia und ich hatten mit unserer Wahl wahnsinniges Glück. Nach dem Beratungsgespräch von letzter Woche und unserer gestrigen Doppelstunde geschah heute Morgen das schier Unmögliche:

 

Celia verließ mit mir FREIWILLIG zu Fuß das Grundstück und wir machten uns auf zu Wiesen und Feldern. Das Stück Wohngegend bis dahin war für sie extrem stressig, aber nach einer Weile auf weiter Flur war sie so entspannt, dass sie sogar ihr Geschäft verrichten konnte, obwohl wir nicht im schützenden Wald waren.

 

Das gestrige Training war darauf ausgerichtet, dass der Hund lernt, sich an mir zu orientieren statt umgekehrt. Auch heute Morgen konnte ich in ihrem Verhalten immer wieder Momente erkennen, die sie gestern erfahren und gelernt hat. Nun liegt es an mir, das weiter zu üben, damit sie sich in meiner Nähe mehr und mehr sicher fühlt.

 

Celia ist also absolut lernfähig und behält das Gelernte, setzt es um, sofern sie sich nicht in einer extremen Stresssituation befindet. Das sind nach wie vor bebaute Gebiete mit asphaltierten Wegen. Ich denke, auch das wird sie mit der Zeit besser bewältigen. Es sind ja immer nur kurze Wege in diesen Bereichen, die sie schaffen muss. Denn unser beider wahre Lust ist die Natur. Dort gehören wir hin und dorthin werde ich sie immer wieder aufs Neue führen.

 

 

 

 

Dienstag, 9.8.2005 - Helga

 

Nach jedem Erfolg der "Rückschlag": Sitzblockaden im Wald (Machtkampf: sie will gehen, wohin SIE will, dann läuft sie) und seit 2 Tagen Attacken gegen den Kater (Weg abschneiden, anspringen, jagen - m. E. nicht spielerisch). Sie fängt an, aus dem Ruder zu laufen. Hilfe tut Not. Meine ganz Hoffnung liegt im morgigen Beratungsgespräch.

 

 

 

 

Samstag, 6.8.2005 - Celia

 

Probleme mit der Treppe? Ich? Wie kommt ihr denn auf sowas... Tsss... Bin doch nicht blöd. Weiß doch, dass sie der Anfang vom Weg in den Wald ist.

 

Probleme mit Geräuschen? Naja... Nach dem Gassigehen war ich heute sehr schnell aus dem Auto draußen, schneller als Fraule wollte. Ich also ohne Leine auf dem Hof (das Tor war leider geschlossen), nachguggen, aus welcher Richtung das Martinshorn zu hören war. Kam ich aber nicht dazu. Fraule hat mich gerufen, allerdings lauter als sonst (grins), da dacht ich mir, dass ich am besten gleich zu ihr laufe, damit sie nicht die Krise kriegt. Natürlich hat mich Fraule angemessen gelobt, während sie mich anleinte.

 

Danach haben wir noch etwas Neues geübt. Fraules Schwester hat nämlich direkt vor unserem Balkon den Rasen gemäht. Erst hab ich von meinem Körbchen aus gebellt, weil ich nicht wusste, ob das gefährlich ist. Dann hat mich Fraule gerufen und wir sind auf den Balkon gegangen und haben zugeguggt. Weil ich so mutig war, gab's Käse zur Belohnung. Mal ganz ehrlich: Sooo schlimm war das gar nicht - aber wenn's Käse dafür gibt, mach ich Fraule die Freude und schau andern beim Lärmmachen zu.

 

18.00 Uhr: Das absolute Highlight - Helga

 

Erste Versuche mit der Schleppleine auf dem Grundstück - und das scheinbar Unmögliche geschieht: Celia rennt mit mir über den Hof, folgt jedem Befehl, zu mir zu kommen (solange sie nicht an der Haustüre sitzt).

 

Nach einer Weile der für mich bisher größte Beweis ihrer wachsenden Bindung zu mir: Celia schafft es mehrmals, den sicheren Platz an der Haustüre zu verlassen und quer über die Wiese zu mir zu kommen, als ich sie locke. Sie hat sogar die Ruhe, Stücke vom Trockenfutter anzunehmen, das Gras zu beschnuppern und ein Bächlein zu machen.

 

Ich denke, es war richtig, dass ich nach den ersten für sie sehr stressigen Versuchen gleich nach ihrem Einzug mit weiteren Versuchen bis heute gewartet habe. Günstig war, dass die im Haus lebenden Kleinkinder verreist sind. Kindergeschrei führt bei ihr nach wie vor zur Flucht Richtung Haustüre.

 

 

 

 

Donnerstag, 4.8.2005 - Celia

 

Wenn ihr glaubt, dass ich im Moment nichts lerne, weil ich erst nächste Woche in die Schule gehe, täuscht ihr euch gewaltig. Heute habe ich festgestellt, dass es Sinn macht, wenn ich beim Spaziergang ab und zu zu Fraule hinschaue. Die freut sich dann nämlich und knuddelt mich dafür. Noch viel mehr Sinn macht es, wenn ich zu Fraule hingehe, sobald sie mich ruft. Bisher hab ich ja gar nicht darauf achten können, weil ich wegen der vielen Geräusche so abgelenkt war. Seit heute gibt es nämlich Käsestückchen im Wald. Aber nur, wenn ich sie mir abhole. Und was hat sie mich gelobt dafür. Dabei hab ich's gar nicht wegen der Leckerlis getan. Mir genügt es, wenn Fraule mich toll findet. Trotzdem sind die kleinen Häppchen zwischendurch super lecker.

 

Gestern haben zwei Männer im Wald einen Jägerstand gezimmert. Das Gehämmer war ganz schön laut. Wer mich kennt, weiß was das bedeutet. Pah! Ihr habt ja keine Ahnung. Ich wollte überhaupt nicht weglaufen. Fraule war ja bei mir. Und die hat der Lärm überhaupt nicht gestört. Hat nur "komm" gesagt, als ich stehen bleiben wollte und "laaangsaam", als ich kurz rennen wollte. Und dann sind wir ganz normal weitergegangen. Ich war froh, dass sie mir nicht erklärt hat, was die Männer da machen. Habe ich schließlich selbst gesehen. Und wenn mir jemand in so einer Situation auch noch was erzählen will, werd ich nur noch hibbeliger. Ich finde, ich hab Fraule schon ganz gut erzogen. Wie das mit der Treppe in unserem Haus funktioniert, hat sie jetzt auch rausgekriegt. Wer weiß. Vielleicht gehe ich ja morgen schon wieder ganz ohne Hilfe hinunter.

 

Hunde treffe ich auch jeden Tag. Ich möchte nur wissen, warum die immer gesagt haben, dass ich mich mit Hündinnen nicht vertrage. Wenn die normal drauf sind, sag ich kurz "hallo" und dann interessieren die mich eh nicht weiter. Da kann sich Fraule noch so lange mit dem anderen Leinenhalter unterhalten. Ich schnüffle derweil irgendwo rum, gibt's ja ne Menge interessanter Geschichten zu lesen. Dass ich dabei nicht an der Leine zerre, versteht sich von selbst. Würd ich Fraule ja umschmeißen. Aber manche Weibchen sind schon richtige Zicken. Fraule kann solche aber auch nicht leiden und wir gehen einfach weiter und tun so, als wären sie Luft für uns.

 

 

 

 

Mittwoch, 3.8.2005 - Celia

 

Fraule hat mir erzählt, dass wir nächste Woche in die Hundeschule gehen müssen. Interessiert mich nicht weiter. Ich weiß ja, wie ich mit Fraule umgehen muss. Wenn ich auf etwas keinen Bock habe, lege ich mich einfach walrossschwer auf den Boden und gut is. Klappt immer. Früher oder später gibt sie auf und ich kann den Weg gehen, den ICH gehen will. Basta! Und überhaupt will ich sowieso nur in den Wald. Auf Straße habe ich keine Lust. Nie und nimmer. Das fang ich gar nicht erst an. Wenn ich nämlich auf der Straße gehe, ist sie vielleicht zu faul, mit mir in den Wald zu fahren. Und im Wald ist es einfach zu spannend, als dass ich das aufs Spiel setzen würde. Mir reicht das, was ich kenne. Die Wohnung ist okay, der Kater geht auch (obwohl ich ihn eigentlich überflüssig finde - wenn er nicht wäre, dürfte ich vielleicht doch zu Fraule aufs Sofa), Fraule passt schon soweit, die Verpflegung ist gut und etwas Schöneres als einen Waldspaziergang kann es garnicht geben.

 

 

 

 

Dienstag, 2.8.2005 - Celia

 

Heute musste ich wieder mit ins Büro, obwohl Fraule ganz genau weiß, dass ich vor dem Weg vom Parkplatz bis zum Eingang sooo eine Angst habe. Erst einmal hab ich mich geweigert, aus dem Auto auszusteigen, aber dann merkte ich schon, dass mir nichts anderes übrig blieb als mitzukommen. Gestern habe ich mich mittags auf dem Weg zum Auto zweimal hingelegt, damit sie auch wirklich mitkriegt, dass ich keinen Bock habe, auf Asphalt zu laufen. Fraule hat sich dann jedes Mal auf den Weg gehockt, damit ich zu ihr hinlaufe. Dann dachte ich mir, dass das in der Öffentlichkeit schon ziemlich peinlich für uns beide wird und bin die zweite Hälfte des Weges freiwillig mitgegangen. Heute Mittag sind wir das Stück in einem durch gejoggt. Da hatte ich keine Zeit, darüber nachzudenken, ob ich Angst habe. Ich wollte einfach nur in meinen Kofferraum. Am liebsten wäre ich gleich durch die Heckscheibe hineingesprungen. Das dauert immer, bis die Klappe aufgeht.

 

Abends hatten wir dann den Super-Gau im Wald - sagt Fraule. Ich hab's ja nicht so recht mitbekommen. Hab mich schon gewundert, warum wir nicht wie sonst gleich losgefahren sind, als ich hinten drin war. Dabei haben wir uns mit dem Einsteigen so beeilt, damit die Frau nebenan ihren Collie auspacken konnte. Fraule hat sich dann noch mit der Frau unterhalten und ich hatte das Gefühl, dass sie danach auch losfahren wollte, aber Fraule hat nur laut "Scheiße" gerufen und wir sind doch nicht gefahren. Fraule hat geredet und telefoniert und geredet und zwischendurch hat sie immer zu mir reingesehen und ist vor dem Auto auf und ab gelaufen. Ich hab mich derweil hingelegt und gelangweilt. Nach zwanzig Minuten kam Fraules Nichte mit ihrem Roller und einem Schlüssel angefahren. Fraule sagte "Gott sei Dank" und "Da hast du dir ein Eis verdient." Dann hat sie den Kofferraum aufgemacht, ihren dicken Schlüsselbund herausgeholt, mir ein Stück Käse gegeben und dann sind wir endlich nach Hause gefahren.

 

 

 

 

Montag, 1.8.2005 - Celia

 

Mein erster Arbeitstag. 6.00 Uhr aufstehen, 6.45 Uhr in den Wald, 7.45 Uhr ins Büro bis um 12.00 Uhr. Zum Glück erstmal nur halbtags. Ich bin so erschöpft, dass ich im Moment gar nichts dazu sagen kann. Auf dem Foto seht ihr mich in meinem Haupttätigkeitsbereich.

 

 

Was für'n Stress... *seufzzzzz*

 

 

 

 

Sonntag, 31.7.2005 - Helga

 

Der faule Hund ist nur am Pennen, deswegen muss Fraule wieder ran an die Tasten.

Gestern Abend hatten wir noch einen schönen, entspannten Spaziergang im Wald. Ich wollte Celia nicht weiter fordern, um sie nicht zu überfordern.

 

Frohgemut wollten wir heute Vormittag aus dem Haus - und da war er, der Rückschlag. Celia ging die Treppe nicht hinunter. Waren es beim ersten Mal die Geräusche aus dem Keller, beim zweiten Mal das Kindergeschrei im Nachbarhaus, der Hubschrauber über Schwabach-Nord? Das weiß nur der Hund. Wenn überhaupt. Abgesehen von meinen Turnübungen (die allesamt nichts halfen) hatten wir zwei längere Sitzungen im Treppenhaus vor meiner Wohnungstüre oberhalb der Treppe. Kein Locken, kein Leckerli, Fraule im Haus, Fraule vor dem Haus, Fraule vor Hund, Fraule hinter Hund - nichts half. Ich hatte mir fest vorgenommen Ruhe zu bewahren und ging nach jeweils einer halben Stunde (oder waren es doch nur 15 Minuten - kommt einem dann doch recht lang vor auf den kalten Fliesen) zurück in die Wohnung, entfernte das Geschirr und lenkte mich mit Küchenarbeit ab. Celia lag vor ihrem Körbchen und wirkte deprimiert. Aber wahrscheinlich war das schlichte Projektion von mir, weil sie jetzt genauso daliegt und eigentlich keinen Grund dafür hat.

 

Mittags der dritte Versuch, schließlich muss Hund mal aufs Klo. Vor der Treppe war Schluss. Die üblichen Versuche fruchteten nicht. Ich schloss die offene Haustüre, damit von dort keine zusätzlichen Reize kamen. Celia drückte sich immer wieder an die Wohnungstüre, wenngleich manchmal kleine Ansätze da waren, mir zu folgen. Am liebsten hätte ich sie an ihrem Geschirr genommen und ein Stück gezogen. Aber ich hatte mir ja fest vorgenommen, dass sie alle künftigen Schritte freiwillig tun sollte. Noch ein Versuch. Celia an der Wohnungstüre, ich sitze oben an der Treppe. Locke Hund zu mir, Hund kommt, bekommt Lob und Käse. Hund findet Käse toll und schnuppert im Stehen verzückt an der Verpackung. Ohne nachzudenken werfe ich ein Stück Käse Richtung Haustüre, Hund springt die Treppe hinunter und schnappt es sich. Fraule hechtet hinterher, öffnet die Haustüre, Hund dreht noch zwei Runden um Fraule herum, bis sich die Leine schön verwickelt hat und dann sind wir draußen. Probleme zum Auto zu laufen, hineinzuspringen, im Wald wieder heraus und fein Gassizugehen? Ach was, wir doch nicht...

 

Im Wald legte sie allerdings noch zwei Sitzstreiks ein. Mittags sind von weitem mehr Autos zu hören als morgens und abends, vielleicht war das der Grund. Ich blieb also cool, hockte mich nicht hin, stand also so rum und tät, als würd ich nichts anderes wollen, als hier so dumm rumzustehen. Der Hund wirkte auch nicht extrem irritiert, deshalb wollte ich erstmal abwarten, was passiert. Und oh Wunder, Celia kam von selbst wieder in Gang, ohne die bewährte Käselockhocke. Wahrscheinlich wollte sie nur mal in Ruhe eine Weile verweilen.

 

Ab morgen ist Alltag angesagt. Leider lassen sich meine Arbeitszeiten nicht an Celias Verfassung anpassen. Da werden wir zumindest drei Tage die Woche mit Abstrichen leben müssen.

 

Am späten Nachmittag geht mir ein weiterer Gedanke durch den Kopf. Wäre Celia ein Mensch mit schlechten Erfahrungen, würde ich bei solchem Verhalten davon ausgehen, dass sie mich prüft, dass sie mich immer wieder mit ihren Verweigerungen provoziert um herauszufinden, ob ich nicht doch irgendwann schreie oder schlage. Sie wirkt immer noch deprimiert. Mit wem hadert sie? Mit sich, mit mir, mit ihrem Schicksal? Vermisst sie Tuscon, das Gebell der anderen Tierheimbewohner? Oder schlägt nur wieder mein eigener Perfektionismus zu, der mich glauben macht, dass Celia etwas vermisst? Oder hat es nichts mit mir und ihrer jetzigen Situation zu tun, sondern es ist ihr ganzes bisheriges Leben, das mehr Leiden als Leben war? Melancholie, Depression?

 

 

 

 

 

 

Samstag, 30.7.2005 - Helga

 

Fraule und ihre Nerven

 

Die letzten Tage machte sich zusehends Verzweiflung breit. Nach dem Highlight am Mittwoch - Celia ging freiwillig nochmal probeweise mit ins Büro und scheint sich dort wirklich wohl zu fühlen - ging es rapide "bergab". In unserem Gassigehwald gab es einmal Geräusche von Holzarbeitern, ein andermal einen Knall, dann jaulte ein Hund in der Ferne... Zum Schluss gab es keinen Weg mehr, den Celia gehen wollte und nach wenigen Metern mussten wir nach Hause gehen. Mein Bild von Hund ist ein laufendes, fröhliches - Celia bot ein Bild der Angst, ich bestand vorwiegend aus Verzweiflung. Ich suchte nach einer Art Gebrauchsanweisung, die nirgends zu finden war. Meine Nerven lagen zusehends blank. Ich war wütend auf Celia und wütend auf meine Hilflosigkeit. Ging es "nur" um Angst oder trugen wir bereits Machtkämpfe aus? Es ist schwierig, in einer solchen Situation Hilfe zu finden. Ich suchte und fand moralische Unterstützung, aber Gebrauchsanweisungen schien es nicht zu geben.

 

Gestern Abend endlich meine Erlösung. Ich erinnerte mich an eine Chatbekanntschaft (nein, ich chatte nicht mehr, aber auch diese Zeit hat wertvolle Kontakte hinterlassen, wie ich immer wieder feststelle). Eine Frau, die in der Ausbildung zur Tierheilpraktikerin steht (soweit ich mich erinnere). Über Umwege kam der Kontakt zustande und es stellte sich heraus, dass sie eine Menge über Hunde weiß und vor allem, was in diesem Fall besonders wichtig ist, viel über die sogenannten Hunde aus dem Süden. Speziell diese Tiere haben wohl enorme Ängste im Freien. Woher auch sollten sie ein "normales" Leben kennen. Natürlich gibt es keine allgemein gültige Gebrauchsanweisung. Letztlich muss jeder Halter auf seine Weise Zugang zu seinem Hund finden und seinen Weg, ihm hilfreich zur Seite zu stehen.

 

Mir ist in dem langen Telefonat gestern Abend klar geworden, wie sensibel Celia ist (wen wundert's, Frau Hochmann, das kennen wir doch). Wir müssen uns alles in sehr kleinen Schritten erarbeiten. Ein barsches Wort und das aufgebaute Vertrauen bröckelt. Ich habe ein anderes Zeitgefühl bekommen und für mich einen Ansatz gefunden, wie ich mit Celia umgehen kann. Im Prizip hatte ich schon alles richtig gemacht, aber wie so oft fehlte mich die fachmännische Bestätigung. Als die Schwierigkeiten zunahmen, fürchtete ich, wieder ganz von vorne anfangen zu müssen und wusste nicht wie. Als Nervenbündel war ich Celia überhaupt keine Hilfe. Im Gegenteil. Durch meine Hilflosigkeit hat sich ihre Angst wohl noch gesteigert.

 

Heute Morgen wachte ich auf und erwartete nichts. Natürlich wünschte ich mir, dass mein Hund den Weg zum Auto und in den Kofferraum schafft. Und wenigstens ein paar Meter in unserem Wald geht.

 

Endlich war ich innerlich wieder ruhig und entspannt. Während wir gingen, erzählte ich Celia von den Dingen, die um uns waren. Und was passiert? Mein Hund LÄUFT, als wäre es das normalste von der Welt. Läuft in eine Richtung, die sie schon eine ganze Weile gemieden hat, läuft sogar den Weg durch den Wald hindurch Richtung Dorf, wo sie schon mal eine Blockade hatte. Sie ist nicht bis zu den Häusern gegangen, mit auftauchender Zivilisation hat sie immer ein Problem. Ein Stück vorher warf sie einen merkwürdigen Blick in den Wald, damit war Schluss. Ich wollte sie zu nichts zwingen, sie nicht überfordern. Ich wollte nur, dass sie ein wenig über ihre Angst hinausgeht. Ich setzte mich zwei Meter in Gehrichtung entfernt auf den Boden, Celia kam. Nochmal zwei Meter, Celia kam wieder zu mir. Ich gab ihr ein Stück Käse (den sie auch nahm, also war sie nicht über die Maßen aufgeregt), lobte sie über den grünen Klee und wir traten entspannt den Heimweg an.

 

Auf dem Rückweg ließ ich mein Auto am Anfang meiner Straße stehen. Celia sprang aus dem Kofferraum, obwohl sie gesehen hatte, dass wir noch nicht zu Hause waren. Sie lief ein paar Schritte, dann musste ich einige Male in die Hocke gehen, Celia folgte. Die letzten Meter witterte sie wohl Heimatluft, weil sie gehörig an der Leine zog. Ich blieb immer wieder stehen, damit sie ihr Umfeld auch wirklich wahrnehmen konnte und nicht nur blindlings Richtung Haustüre zog.

 

Für den Nachmittag hatte ich mir die bisher größte Hürde vorgenommen. Wenn Celia das Gründstück nicht verlassen hätte, wäre es in Ordnung gewesen. Ich wollte es wenigstens versuchen. Bis zum Hoftor lief sie mit, dann wandte ich die "Hochmännsche Hockmethode mit Käseleckerli" an. Es funktionierte. Ich weiß nicht, wie lange wir für die 100 Meter brauchten, es ist mir auch gleichgültig. Fakt ist, dass wir es geschafft haben. Die letzten Meter zog sie sogar Richtung Auto. Sie hat wohl gemerkt, dass wir gleich am Ziel sind. Glücklicherweise. Auf den letzten Etappen war mir nämlich der Käse ausgegangen. Ein Stück für den Kofferraum hatte ich natürlich noch in der Tasche und jede Menge Lob und Begeisterung.

 

Ich hatte auch in unseren finstersten Stunden nicht ernsthaft in Erwägung gezogen, Celia zurückzugeben. Jetzt ist mir klarer denn je: Celia ist der beste Hund, den ich je kriegen konnte.

 

 

 

 

 

Dienstag, 26.7.2005 - Celia

 

Das Leben ist voller Abenteuer. Fraule hat mich heute Morgen ausgetrickst. Wie immer sind wir mit dem Auto zum Gassigehen losgefahren. Dachte ich... Ich hab mich schon gewundert, dass wir so bald wieder angehalten haben. Schon als der Kofferraumdeckel hochging, habe ich gesehen, dass weit und breit kein Baum in Sicht war. Aber was sollte ich machen. Wenn Fraule "hopp" sagt, muss ich einfach rausspringen. Natürlich war ich irritiert, hoffte aber inständig, dass Fraule weiß, was sie tut. Wir sind ein Stück auf Kopfsteinpflaster gelaufen, dann standen wir vor einer kleinen Holztüre. Türen finde ich immer gut, weil man durch Türen von draußen nach drinnen kommt und drinnen fühle ich mich sicher. Wir sind durch die kleine Holztüre in einen Innenhof gekommen. Von dort gingen wir durch eine große Holztüre ins Haus, danach durch Türen und Türen und plötzlich stand ich vor einer schwarzen Plastikwanne. Fraule legte ihren Pulli hinein. Ich hab natürlich gleich dran geschnuppert und gewusst, dass alles in Ordnung ist. Auf den Pulli hat sie einen Hähnchenhals gelegt. Gerochen hab ich ihn natürlich gleich, aber das war wieder alles so aufregend, dass ich überhaupt keinen Appetit hatte. Ich durfte mir in Ruhe einige Zimmer ansehen. Hat mir auf Anhieb ganz gut gefallen, weil es dort sehr ruhig war. So ein bisschen Telefongebimmel macht mir ja gar nichts aus. Dann hat Fraule mir den Sven vorgestellt. Der war auch ganz lieb und hat sich nicht gerührt, bis ich von selbst zu ihm hingegangen bin. Dafür hat er mich dann ein wenig gekrault und ich hab beschlossen, dass ich ihn mag. Fraule hat mir ihren Schreibtisch gezeigt und sich auf ihren großen Stuhl gesetzt. Ich hab gleich gemerkt, dass ich prima unter ihrem Schreibtisch unten durch gehen kann auf die andere Seite. Das finde ich praktisch, weil ich dann auch wieder ganz schnell bei Fraule bin, wenn ich zurück will. Alles in allem fand ich's wirklich ganz okay, ich war auch nicht so gestresst wie sonst, wenn etwas neu für mich ist. Fraule hat sich dann in mein neues Körbchen gesetzt und mich gerufen. Natürlich bin ich gleich zu ihr hinein gestiegen. Wenn sie mich ruft, kann ich gar nicht mehr anders. Meine Beine laufen dann schon ganz automatisch los, da brauch ich überhaupt nicht drüber nachzudenken. Als wir beide im Korb saßen, hat Fraule mir den Hähnchenhals nochmal vor die Nase gehalten. Jetzt hatte ich Lust drauf. Ich hab mich neben Fraule hingelegt und mein Leckerli geknabbert. Fraule ist dann wieder raus aus dem Korb (er ist wirklich zu klein für uns beide) und hat ein wenig so getan, als ob sie arbeitet, während ich meine Belohnung bis zum letzten Krümel aufgefuttert habe. Als ich fertig war, hat Fraule gesagt: "Das reicht für heute." Sie leinte mich wieder an. Ich wusste gleich, dass wir jetzt endlich in den Wald fahren und führte sie schnurstracks durch alle Türen nach draußen, ein Stück die Straße entlang zu unserem Auto. Schwuppdiwupp saß ich im Kofferraum und ab ging's zu unserem Standardausflug. Ich freute mich schon, aber dann hatten wir wieder Theater, weil tief im Wald jemand mächtig Lärm gemacht hat. Wir zerrten uns gegenseitig hin und her, dann hat Fraule aber doch noch gewonnen und zum Schluss war ich auch froh drüber, weil wir super lange gelaufen sind. Der Lärm war auch weg und die paar Leute und Hunde, die da rumlaufen, die jucken mich schon lang nicht mehr. Sind eh alle immer so freundlich zu uns, weil wir ja auch so ein liebes Gespann sind.

 

 

 

 

Montag, 25.7.2005 - Celia

 

Heute habe ich zum ersten Mal Besuch bekommen nach meinem Umzug. Wenn vor meinem Balkon ein Auto hält, geh ich immer gleich nach dem Rechten sehen. Wenn die Leute dann zu laut sind, sage ich ihnen gleich meine Meinung, damit sie wissen, dass vor MEINEM Balkon niemand Krach zu machen hat. Heute musste ich nicht bellen. Aus dem Auto ist eine Frau ausgestiegen, die gleich zu mir herüber gesehen und "Celia! Mäusle!" gerufen hat. Ich hab sie gleich erkannt und hätte man mir meine Rute nicht abgeschnitten, hätte ich bestimmt das Blumenregal damit abgeräumt, so sehr habe ich mich gefreut. Es war Frau Welter, mein Lieblingsmensch aus Feuchter Zeiten. Sie hat mich kennengelernt, als ich noch so aussah, wie auf dem Foto ganz oben auf dieser Seite. Wenn sie mich am Anfang, als ich mich noch nicht getraut habe, den Zwinger zu verlassen, nicht immer aus dem Tierheim rausgetragen hätte, hätte ich nie in den Wald gekonnt. Ehe ich mein Fraule kennenlernte, ist Frau Welter ganz oft mit mir Gassi gegangen und hat sich danach zu mir in den Zwinger gesetzt und mich gestreichelt und gekrault und mir Leckerli gegeben. Eine wirkliche Freundin eben. Ich habe mir damals immer gewünscht, dass sie mein Fraule wird, aber das ging leider nicht. Trotzdem ist sie so oft nach Feucht gefahren, wie sie nur konnte.

 

Natürlich ist Frau Welter zu mir in die Wohnung gekommen. Gleich an der Tür habe ich sie gebührend begrüßt. Sie hat Fraule eine wunderbar duftende Tüte gegeben. Ich wollte gleich sehen, was da drin ist, aber dann sind wir raus auf den Balkon und ich habe mich von allen Seiten verwöhnen lassen. Frau Welter hat natürlich gleich wieder zwei Zecken bei mir entdeckt, was Fraule ziemlich peinlich war. Sie hatte mir nämlich vorher schon zwei Stück rausgedreht und gedacht, dass ich clean wäre. Tja, blöd gelaufen. Aber diese Dinger sind ja auch wirklich fies. Irgendwo versteckt sich immer noch einer (oder zwei). Frau Welter hat mich auch gelobt, wie schön ich geworden bin und was für eine tolle Wohnung ich jetzt habe. (Ich hab gesehen, wie Fraule gestrahlt hat, als sie das gehört hat.) Wir saßen eine ganze Weile zu dritt auf dem Boden des Balkons, die Frauen haben sich unterhalten (natürlich am meisten über mich) und ich hab einfach nur genossen (seufz).

 

 

 

 

Jaaa... Frau Welter weiß noch, was mir gut tut.

 

 

Als es gerade mal nicht regnete, zeigte ich Frau Welter dann eine unserer Gassirunden in meinem Wald. Der hat ihr auch gefallen, weil es dort so schön ruhig ist.

 

Zum Schluss hat Fraule dann ihr Versprechen gebrochen und zusammen mit Frau Welter An-der-Straße-gehen mit mir geübt. Das hat eine ganze Weile gedauert und weit sind wir nicht gekommen. Frau Welter ist dann wieder nach Hause gefahren und Fraule hat mir endlich ein paar dieser wunderbar duftenden Hähnchenhälse gegeben (Fraule sagt, die stinken, dass es kaum zu ertragen ist - schlimmer noch als Pansen. Memme... Da muss sie eben durch, denn ich weiß: Je stärker etwas riecht, umso besser schmeckt es). Ich war so irre vor Begeisterung, dass ich wie ein Karnickel durch's Wohnzimmer gesprungen bin. Max hat sich so erschrocken, dass er mich angefaucht hat (was schon ewig nicht mehr passiert ist) und über den Balkon nach draußen geflüchtet ist. Fraule war auch nicht sehr begeistert. Sie bestrafte mich eine Weile mit Ignoranz. War ein blöder Ausgang für einen so schönen Abend. Als wir schlafen gingen, hat Fraule mich dann aber ganz doll gedrückt und alles war wieder in Ordnung.

 

 

 

 

 

Sonntag, 24.7.2005 - Celia

 

Es ist schon spät am Abend und Fraule hat mich schon zweimal vom Sofa heruntergeschickt. Was wäre schon dabei, wenn sie mich einfach liegen lassen würde, hm? Sie ist ja nicht einmal im Wohnzimmer und braucht den Sofaplatz für überhaupt rein garnichts im Moment. Reine Schikane ist das. Kommt zwischendurch völlig überraschend herein, nur um mich auf den Boden zu schicken. Dabei bin ich sooo müde vom Abendspaziergang. Die läuft tatsächlich JEDEN Tag morgens und abends eine ganze Stunde mit mir durch den Wald. Zum Schluss bin ich immer so platt, dass ich mich einfach an ihre Fersen hefte. Soll sie doch selbst sehen, wo wir lang müssen. Meine Lebensgeister kehren erst zurück, wenn ich mitbekomme, dass wir bald am Auto sind. Langsam kenne ich mich aus in dem neuen Wald.

 

Heute war ich übrigens sowas von cool drauf, dass ich mir eine schwarze Sonnenbrille verdient hätte. Morgens kamen uns mehrere Jogger, zwei Pferde samt Reiterinnen und frei laufendem Hund und etliche Radfahrer entgegen. Hat mich alles kalt gelassen. Ehrlich. Und am Abend kam auf unserem Wanderweg sooo ein fetter Trecker daher, mindestens dreimal so groß wie unser Auto. Fraule ist mit mir an den Wegrand gegangen, hat sich vor mich hingestellt und das laute Ding konnte uns überhaupt nichts anhaben.

 

Gestern Abend und heute früh hat Fraule versucht, mit mir ein wenig die Straße lang zu gehen. Sind wir nicht weit gekommen. Ich hab dann einfach zuviel Angst. Ich schaffe es ja schon weiterzugehen, wenn der Wald zu Ende ist und man ziemlich weit über die Felder sehen kann. Das geht noch gerade so, ist aber auch schon stressig, weil ich da so viel schauen und horchen muss. Sobald wir die ersten Häuser sehen, ist es aus. Fraule ist dann aber nicht gleich mit mir zurück gegangen. Sie hat sich einfach hingesetzt und gesagt, dass ich mir das alles mal in Ruhe anschauen soll. Ich hab mich wirklich angestrengt, aber so ruhig, dass ich ein Leckerli hätte nehmen können, war ich nicht. Als wir wieder im Wald waren, hat mich das geärgert. Jetzt, wo es endlich Trockenfutter gibt, das mir schmeckt. Ich hab aber doch noch eins bekommen. Sie hat es in den Kofferraum gelegt. Das hebe ich mir dann immer auf, bis alle Autotüren zu sind und Fraule losfährt. Ich will das nämlich genießen.

 

Gestern Abend hat Fraule ja auch ein wenig mit mir geübt. Da waren wir in einem anderen Wald, wo man vorher ein ganzes Stück im Freien laufen muss. Außerdem sind da mehrere Pferdekoppeln und ein Übungsplatz direkt am Weg, wo gerade junge Mädels im Kreis geritten sind. Das war schon ziemlich aufregend. Auf dem Rückweg hat mich noch so ein blöder Schäferhund angebellt, der hinter seinem Gartenzaun auf und ab gerannt ist. Ich wollte nur noch weg, aber Fraule hatte mich gut im Griff. Wenn ich zu stark ziehe, bleibt sie plötzlich stehen. Das müsst ihr euch mal vorstellen. Und das macht sie nicht nur einmal. Sie sagt, wir müssen üben. Ich find's nur anstrengend, aber es sieht so aus, als müsste ich da durch. Jedenfalls hatte ich nachts dann jede Menge Alpträume. Fraule ist ein paar Mal aufgewacht, weil ich kurz gebellt habe. Deswegen hat sie mir jetzt versprochen, die schwierigsten Übungen (Wege im Freien) nur noch morgens zu machen, damit ich noch eine Weile in Ruhe darüber nachdenken kann. Abends machen wir dann unseren Entspannungsspazierung (glaubt nur nicht, dass ich da machen darf, was ich will). Ich finde das in Ordnung so und deswegen kann ich mich heute beruhigt neben Fraules Bett schlafen legen.

 

 

 

 

Samstag, 23.7.2005 - Helga

 

Liebe allein genügt nicht

 

Eine Woche im Hause Hochmann - Fraule zieht Bilanz

 

Leider bin ich (noch) ein Mensch, der am ehesten das sieht, was nicht funktioniert. Celia gibt Grund genug, daran zu arbeiten.

 

Wenn ihre Ängste nicht wären, wäre Celia der perfekte Hund. In der Wohnung verhält sie sich vorbildlich. Sie nimmt nichts, was ihr nicht gehört. Ihre Spielsachen räumt sie brav in ihr Körbchen. Celia holt nichts vom Tisch, bettelt nicht, zerkaut keine Schuhe, verhält sich ruhig, wenn ich nicht in der Wohnung bin, kommt (in der Wohnung) immer, wenn ich sie rufe. Seit ich den Mut gefasst habe, mit ihr in den Wald zu fahren, haben wir ausgedehnte und überwiegend ruhige Spaziergänge. Inzwischen hat sie sich auch an Jogger und Nordic Walker gewöhnt. Bei Joggern zeigt sie noch einen leichten Ansatz, hinterher laufen zu wollen. Bei solchen Begegnungen halte ich die Leine kurz, gehe einfach weiter. Wenn sie innehält, fordere ich sie zum Weitergehen auf, was inzwischen sehr gut klappt. Inzwischen entscheide auch ich, welchen Weg wir einschlagen, sie fügt sich meistens problemlos, ansonsten nach Aufforderung.

 

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorzug dieses Hundes: Kein Problem, ihr Augentropfen einzuträufeln, einen prüfenden Blick in ihre Ohren zu werfen, Zecken an allen möglichen Körperstellen zu entfernen - Celia hält "wie ein Zeck". Wenn ich da ein meinen Kater denke, bei dem jegliche "Behandlung" in ein Kräftemessen ausartet...

 

Das Zusammenleben mit dem Kater funktioniert weitgehend problemlos. Max ist eher zurückhaltend und will in erster Linie seine Ruhe. Anfangs hielten sie einen Sicherheitsabstand von etwa einem Meter, inzwischen geht einer am anderen fast in Tuchfühlung vorbei. Geht Celia dem Kater mit ihrem Geschnupper auf die Nerven, macht er ihr es verbal klar und Celia weicht zurück und trottet davon. Tatzenhiebe sind dabei nicht vonnöten, selbst Maxens Knurren habe ich schon länger nicht mehr gehört. Ein Liebespaar wird wohl nicht aus ihnen, aber sie haben sich gegenseitig akzeptiert und arrangiert. Celia kommt auch mit Katers Privilegien gut klar. Kater liegt auf Fraule, Celia am Boden - sowohl im Wohn- als auch im Schlafzimmer. Beide sind meistens dort zu finden, wo ich mich gerade aufhalte.

 

Eben hat Celia auf dem Balkon Störenfriede verbellt. Als ich sie rief, kam sie schnurstracks quer durch die Wohnung zu mir. Dieses Mal waren es keine schreienden Kinder, sondern der Lärm vom Bürgerfest, den der Wind von der Stadtmitte zu uns herauftrug. Mit Geräuschen, die größere Menschenansammlungen verursachen, hat Celia enorme Probleme. Sie muss die Menschen nicht sehen. Wie neulich genügt es, wenn in einigen Kilometern Entfernung ein Fußballspiel stattfindet, das ich selbst kaum wahrnehme.

 

Celia ist eben kein City-Hund sondern ein Waldläufer mit einer großen Liebe zu den eigenen vier Wänden. Das haben wir gemeinsam.

 

Nächste Woche habe ich noch Urlaub, danach soll sie eigentlich mit ins Büro. Dass sie dort keinen Unfug anstellt, ist für mich keine Frage. Aber wie kriege ich den Hund ins Büro? Zu Fuß sind es nur 5 Wegminuten. Mit dem Handicap, dass kein Waldweg dorthin führt. Bis jetzt ist es mir nicht gelungen, sie ruhig vom Grundstück zu führen und hundert Meter die Straße entlang zu gehen. Natürlich habe ich es nächtens versucht und zwar dort, wo keine Autos fahren. Weit sind wir dabei nicht gekommen. Celia wandte ihre alte Taktik an: Erst in Richtung Heimat ziehen bis zum Gehtnichtmehr, wenn dem nicht nachgegeben wird hinsetzen und nicht mehr rühren. Gibt Fraule immer noch nicht auf: Sich auf den Boden fallen lassen und das Gewicht eines Walrosses annehmen.

 

Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass Liebe allein Celia nicht hilft. Sie braucht meiner Meinung nach eine starke Führungsperson, die ihr die nötige Sicherheit gibt. Mein Job ist es, mich schnellstens zu einem fähigen Alphatier zu entwickeln. Ich wollte ja unbedingt die Erfahrung machen, wie es ist, mit einem Hund zu leben. Schon stecke ich mittendrin und meine Sachbuchabteilung wurde um ein neues Fachgebiet erweitert. Es gibt viel zu tun und zu lernen. Nein, ich bereue es nicht. Es war die richtige Entscheidung.

 

 

Meditatives Knochenkauen auf Schmusepulli

 

 

 

 

Freitag, 22.7.2005 - Celia

 

Pah, war doch klar, dass ich heute Morgen wieder auf meinen eigenen Beinen zum Auto laufe. Wie konntet ihr daran zweifeln. Ich bin doch kein Baby mehr.

Heute sind wir schnurgerade durch den Wald durch und hinten wieder raus. Fraule hat gesagt, ich soll jetzt lernen, mich auch ohne den Schutz der Bäume sicher zu fühlen. Seit gestern darf ich nicht mehr als erste durch die Tür und beim Gassigehen hält sie die Leine kürzer. Dadurch merke ich immer, dass mein Fraule ganz nah bei mir ist und mich beschützt. Da macht es auch überhaupt keinen Sinn mehr, an der Leine zu ziehen. Auf dem Rückweg bin ich eh ein ganzes Stück hinter ihr hergetrottet. Dabei kann ich ganz wunderbar entspannen. Manchmal versuche ich, mit meinen Vorderpfoten auf Fraules Fersen zu treten. Aber die marschiert so zügig voran, dass ich sie nur mal so gerade berühre, wenn ich überhaupt ran komme.

Übrigens sind uns auf dem Feldweg zwei Hasen entgegengehoppelt. Als sie uns sahen, schlugen sie Haken und verschwanden im Maisfeld. Ich wollte sooo gerne hinterher und mit ihnen Fangen spielen, aber Fraule hat mich nicht gelassen und die Leine noch kürzer genommen. Ist schon blöd, dass die immer alles gleich mitkriegt. Eine wilde Jagd durch's Maisfeld hätte bestimmt viel Spaß gemacht.

 

Apropos Spaß: Wir sind ja vormittags sehr spät aus dem Haus gegangen, weil es immer wieder mal ein wenig geregnet hat. Mir war langweilig, schließlich habe ich mich bereits an unsere Ausgehzeiten gewöhnt, also habe ich etwas Neues probiert. Bin mit meinem Quietschball im Maul zu Fraule gelaufen. Die hat gleich kapiert, was ich will, hat ihn mir aus dem Maul genommen und quer durch's Zimmer geworfen. Ich natürlich gleich hinterher gehetzt und mit dem Ball wieder zurück zu Fraule. Nach dem dritten Mal hab ich gemerkt, dass ich eigentlich noch müde bin und hab mich mit dem Ball wieder in mein Körbchen zurückgezogen. Man darf Fraule ja auch nicht gleich so verwöhnen, oder?

 

 

 

Donnerstag, 21.7.2005 - Celia

 

Tataaa! Vorhin bin ich aus Versehen von unserer Haustüre bis zum Auto GELAUFEN. Ich hab's erst bemerkt, als mich Fraule gelobt hat. Da bin ich so erschrocken, dass ich gleich wieder zurückrennen wollte. Aber da hat Fraule schon den Kofferraum geöffnet und ich bin natürlich gleich wieder hineingesprungen. Naja, ich gebe zu, dass Fraule mich zweimal auffordern musste. Aber das war nur wegen der Aufregung vorher. Wenn wir nach dem Spaziergang wieder zum Auto kommen, geht das schneller. Heute Abend waren wir übrigens wo anders im Wald, weil dort, wo wir sonst immer gingen, der Parkplatz voller Autos stand. Wahrscheinlich waren das wieder eine Menge Leute mit Klapperstöcken, die sind mir eh nicht geheuer. Wir sind also ein Stück weiter gefahren und dort in den Wald. Und was begegnet uns? Leute mit Klapperstöcken und einem nicht angeleinten großen Hund. Die Töle hat mich gleich angeblafft. Ich wollte grad auch loslegen, da wurde die "Cora" von ihrem Fraule zurückgerufen. Blöde Zicke. Hab ihr noch einen richtig fiesen Blick hinterhergeworfen.

Obwohl wir in einem neuen Gebiet waren, hatte ich mit Fraule keine Angst. Bis zum Schluss. Kurz bevor wir wieder am Auto waren, sah ich riesengroße schwarze Vögel auf einem Acker. Ich musste die immerzu ansehen und konnte nicht weitergehen. Gut, zurück in den Wald wäre ich schon gerne gelaufen, aber das wollte Fraule nicht. Fraule hat dann gesagt, sie hat keinen Bock mehr, mich zu tragen und wenn wir bis in die Nacht so stehen bleiben. Zwischendurch hat sie probiert, mich am Geschirr zu packen und ein Stück zu ziehen. Ich weiß auch nicht, wie es kam, aber plötzlich sind meine Beine dann wieder mitgelaufen.

 

Eben hat Fraule mich gerufen und ich darf bei ihr im Arbeitszimmer liegen. Der Kater ist auch noch gekommen und liegt auf ihrem Schoß. Ich wäre gerne an seiner Stelle, aber wahrscheinlich bin ich für sowas schon zu groß. Dafür hab ich den Kater von vorne bis hinten beschnuppert, als er an mir vorbei ging und er hat gar nicht gefaucht. Ich glaube, wir sind jetzt eine richtige Familie - Fraule, Max und ich.

 

 

Mittwoch, 20.7.2005 - Celia

 

Gestern habe ich damit angefangen, in dem Laden hier mal ein wenig aufzuräumen. Da knallen doch tatsächliche Leute vor MEINEM Balkon ihre Autotüren zu oder ziehen lärmend auf der Straße daran vorbei. Denen hab ich aber mal die Meinung gebellt... Außerdem hat es mich schon seit ner Weile geärgert, dass es hin und wieder im Treppenhaus recht laut wird. Anfangs hab ich mich in mein Körbchen zurückgezogen, um Ruhe zu finden. Geändert hat sich dadurch nichts. Also habe ich mein Verhalten geändert. Als heute (noch nicht mal in diesem Haus lebende) Kinder in den höchsten Tönen durch's Treppenhaus quiekten, hab ich sowas von Laut gegeben, dass sogar Fraule beeindruckt war. Tja, Leute, ich würde einen prima Wachhund abgeben, das kann ich euch sagen. Als die Mutter ihre Gören vor MEINEM Balkon in ihr Auto stopfte und hinter ihnen die Autotüren zuschlug, hab ich noch eins draufgesetzt.

 

Verlange ich denn zuviel? Können die nicht ein bisschen Rücksicht nehmen? Ich will doch nur meine Ruhe haben. Ich bin nämlich müde. Schließlich war ich gestern Abend und heute Morgen jeweils EINE Stunde mit Fraule Gassi. Da wundert ihr euch, nicht wahr? Okay, ich gebe zu, sie musste mich zum Auto tragen. Aber nur auf dem Hinweg. Dafür springe ich jetzt schon alleine in den Kofferraum, raus geht es sowieso problemlos. Ich bin froh, dass Fraule den Mut hatte, mit mir in den Wald zu fahren. Ich kenne doch nichts anderes. Nach zweieinhalb Tagen konnte ich gestern im Wald endlich mal wieder einen schönen Haufen setzen (jahaaa - Fraule hat meinen Durchfall erfolgreich kuriert) und mehrere Bächlein fließen lassen. Ihr denkt, das ist normal? Bei mir nicht. Ihr hättet mal dabei sein sollen in den letzten Tagen. Ich brauche eben Muttererde unter meinen Füßen. Gestern habe ich Fraule noch hinter mir hergeschleift, weil ich so Nachholbedarf hatte. Aber heute war ich schon viel ruhiger und wir waren uns auch fast immer einig, welchen Weg wir nehmen wollen. Jetzt habe ich auch wieder richtig Appetit und Fraule hat eingesehen, dass ich Kartoffeln einfach nicht mag, egal wie gesund sie sind. Basta!

 

Wow - abends sind wir einem Pferd begegnet. Ich hätte es so gern ein wenig beschnuppert, aber Fraule hat meine Leine kurz gehalten. Schade... Vor dem Pferd hab ich mich überhaupt nicht gefürchtet, ich war nur neugierig. Aber als ich von weitem das Geschrei vom Fußballplatz hörte, war es wieder vorbei und wir mussten in die andere Richtung gehen. Und zum Schluss im Wald musste mich Fraule ein ganzes Stück tragen. Gefallen hat ihr das nicht, weil sie eh schon geschwitzt hat. Aber es war ja auch keine Schikane von mir. Ehrlich nicht. Es ist nur immer so, dass ich (unter anderem) in der Nähe von Jägerständen Probleme bekomme. Und komischer Weise immer erst, wenn ich zum zweiten Mal, also auf dem Rückweg daran vorbei muss. Einen anderen Rückweg können wir auch nicht gehen, weil ich zum Schluss meistens nur den Weg gehen kann, den ich schon vom Anfang des Spaziergangs kenne. Schwierige Sache...

 

 

Sonntag, 17.7.2005 - Celia

 

So, Freunde, ich hab mich in der Zwischenzeit mal gründlich umgesehen hier und beschlossen, dass mir meine neue 3-Zimmer-Wohnung gefällt. Hab auch schon meine festen Liegeplätze, entweder im Körbchen oder auf dem Boden vor dem Sofa, wenn Fraule dort oben sitzt oder liegt. Schätze, ich werde hier bleiben. Leider hab ich immer noch Durchfall und wenig Appetit, aber ich glaube, das wird schon etwas besser. Gott sei Dank hat Fraule nicht geschimpft, als ich in der Küche plötzlich Bauchweh bekam.

Ich würde so gern mal wieder richtig Gassi gehen mit ihr und auch mein Geschäft draußen erledigen. Wenn sie mir mein Geschirr überstreift, freue ich mich und bin ganz aufgeregt, aber sobald ich zur Haustüre draußen bin, sieht alles so fremd aus und nirgendwo riecht es nach anderen Hunden, deren Spur ich verfolgen könnte, damit ich weiß, wo es lang geht. Das war so schön mit ihr im Feuchter Wald, als wir stundenlang kreuz und quer liefen, da war ich so entspannt, dass ich schon ein wenig auf Fraule hören konnte. Aber jetzt will ich nur noch zurück ins Haus, sobald ich auf der Wiese bin.

Heute Nacht hab ich gut geschlafen. Die erste Hälfte verbrachte ich in meinem Körbchen im Wohnzimmer, dann hat Fraule nebenan gehustet, davon bin ich aufgewacht. Hab dann nachgesehen, ob alles in Ordnung ist bei ihr. Der Kater lag auf dem freien Bett. Okay, dachte ich, dann spring ich mal eben zu Fraule ins Bett. War aber nix. Sie hat mich gleich wieder runtergeschoben. Es war ein paar Minuten nach 2 Uhr, als wir kurz runter auf die Wiese sind. Das war auch gut so, weil ich dringend pullern musste. Der neugierige Kater war auch dabei, obwohl wir ihn gar nicht mitgenommen haben. Er ist einfach über den Balkon herunter gesprungen, ums Hauseck herum gelaufen und plötzlich saß er auf der Wiese. Wenn er nicht gemaunzt hätte, hätte Fraule den schwarzen Kater bestimmt nicht gesehen. Wir sind dann bald wieder hoch gegangen und haben uns schlafen gelegt. Ich wollte jetzt aber nicht mehr alleine sein und hab mich auf die Decke auf dem Boden neben Fraules Bett gelegt. Bis um 8 Uhr morgens haben wir Drei durchgeschlafen.

Fraules Mama, die über uns wohnt, hat vorhin angerufen und gefragt, ob ich überhaupt noch da bin, weil sie so gar nichts von mir gehört hat. Ich bin doch kein kleiner Kläffer mit Schleife im Haar. Also wirklich...

Abends habe ich mir den Balkon mal so richtig angesehen und beschnuppert. Es war enttäuschend. So viel Grün, ich hab überall ein Bisschen abgerupft, aber nichts schmeckt so gut wie der Farn und die Brennnesseln im Wald beim Tierheim.

 

 

 

Samstag, 16.7.2005 - Celia

 

13.00 Uhr: Okay - jetzt weiß ich auch, was die Aufforderung "Runter!" bedeutet. Nach einem zähen Kampf (bis jetzt schon mindestens 10 Versuche) um den Platz auf dem Sofa gebe ich mich vorläufig geschlagen. Fraule hat aber auch sooo ne Ausdauer. Unermüdlich schiebt sie mich vom Sofa, wenn ich ihrem Runter nicht gleich folge. Meistens gehe ich jetzt schon freiwillig, sobald sie "runter" sagt. Dann trotte ich mit hängenden Ohren und einem herzzerreißenden Blick in mein Körbchen. Aber Fraule beeindruckt das nicht. Ich verstehe eh nicht, wie sie das immer rauskriegt. Ich verlasse mein Körbchen nämlich erst, wenn sie in der Küche ist und gar nicht hinguggt. Kaum hab ich's mir dann auf dem Sofa bequem gemacht, wird sie sehr konsequent. Hätte ich nicht gedacht, dass die auch streng sein wird mit mir, wo sie mich doch so lieb hat. Außerdem ist das alles ungerecht. Der Kater durfte nämlich vormittags auf's Sofa. Ich hab's genau gesehen.

 

"Das ist MEIN Sofa - basta!"

 

 

"Na gut... Aber das ist auf jeden Fall MEIN Körbchen."

 

 

16.30 Uhr - Helga: Celia pennt in ihrem Körbchen, deswegen wird das Fraule euch mal die Geschichte des heutigen Umzugs erzählen:

 

Morgens war ich wie gewohnt (an arbeitsfreien Tagen) gegen 8.00 Uhr im Tierheim. Die Schmuseminuten vor dem Gassigehen habe ich diesmal ausfallen lassen, weil mir der Gedanke, dass Celia und Tuscon nun getrennt werden, schon die Tränen in die Augen trieb ( wenn's um Tiere geht, bin ich leider sehr nah am Wasser gebaut). Ich schnappte mir Celia, Tuscon jaulte hinterher, Celia war deswegen wieder etwas durcheinander und ich musste ihr etwas Hilfe geben, damit sie in Gang kam. Wir gingen Richtung Wald, alles war ok, dann wurden wir von Tuscon verfolgt, der eine Gassigeherin hinter sich her zog, die vergeblich versuchte, ihn zurückzuhalten. Der Husky wollte unbedingt Celia einholen, sie begrüßten sich kurz, dann wurde er auf einen anderen Weg geführt. Celia trauerte ihm nicht nach (was mir nichts Neues war) und lief mit einer kleinen Ausnahme über eine Stunde sehr gut mit mir durch den Wald. Wieder fielen ein/zwei Schüsse, da geriet sie zwar nicht in Panik, sucht sich aber in solchen Fällen einen wenig begangenen Seitenweg aus, wo wir irgendwann im Gestrüpp landen, umkehren müssen und Celia dann ab einem gewissen Punkt nicht mehr weitergehen kann. Doch das müssen wir. Für mich fühlt es sich an, als läge ein unsichtbares Hindernis auf dem Weg, über das ich sie hinwegtragen muss. Ich hab sie keine fünf Meter getragen, wieder abgesetzt, sie lief völlig entspannt weiter. Die ganze restliche Zeit lief sie ohne jede Hilfe, wie oft in den letzten Tagen.

Nach dem Spaziergang ging ich direkt mit ihr zu meinem Auto, das ich extra am Waldrand geparkt hatte. Weil ich aus dem Tierheim nichts mitgenommen hatte, also auch keine Decke von ihr, zog ich meinen Pulli aus und legte ihn auf die Decke im Kofferraum. Celia hob ich in den Kofferraum, fixierte sie, Deckel zu, von vorne zu ihr gekrabbelt und abgeleint, damit sie sich nicht erhängt während der Fahrt.

Ich war dann nochmal kurz im Tierheim, als ich zurückkam lag Celia ruhig im Kofferraum. Von Feucht nach Schwabach sind es über die Autobahn nur 15 Minuten zu fahren. Celia saß im Kofferraum und sah durch die Heckscheibe nach draußen. Sie war ganz ruhig, winselte nicht, hechelte nicht extrem. Solange wir uns direkt auf der Autobahn befanden, legte sie sich hin. Kaum verließ ich die Autobahn bei Schwabach, schaute sie wieder hinten raus bis wir zu Hause waren. Ich fuhr mit dem Auto auf's Grundstück, schloss das Tor, damit sie mir im Falle eines Falles nicht entkommen konnte. Sie ließ sich aber gut anleinen, als ich die Heckklappe öffnete, und sprang dann von selbst heraus. Sie zog kurz Richtung Straße, dann folgte sie mir zum Hauseingang. Sie setzte sich vor die Tür, als würde sie das mehrmals am Tag tun, und wartete, bis ich aufgeschlossen hatte. Dann lief sie, als sei es das normalste von der Welt, die fünf Stufen bis zu meiner Wohnungstüre hoch. Blieb auch davor ruhig sitzen, bis ich aufgeschlossen hatte.

Ich zeigte ihr ihr Körbchen, legte meinen Pullover jetzt dort hinein, setzte mich selbst dazu, rief Celia und sie kam und legte sich zu mir. Klar lief sie gleich wieder raus, als ich aufstand und zog durch die Räume, schnupperte und beäugte alles. Zwischendurch ruhte sie sich in ihrem Körbchen aus.

Später waren wir kurz auf der Wiese hinterm Haus, da war sie aber noch sehr angespannt und wollte zurück ins Haus. Da war IHRE Tür und IHRE Wohnung und als absoluten Zufluchtsort darin begreift sie ihr Körbchen. Wenn jemand durch das Treppenhaus geht, ihr die Geräusche nicht ganz geheuer sind, geht sie in ihr Körbchen. Wenn ich sie rufe, kommt sie sofort angetrabt. Doch nun schläft sie erst mal den Schlaf der Gerechten.

Kater Max hat ihr gleich zu Anfang fauchend und knurrend klar gemacht, dass sie vorläufig einen Sicherheitsabstand von mindestens einem Meter einzuhalten hat. Celia hat das wenig beeindruckt, sie wollte eh nicht näher ran.

 

 

"Nur guggen ist ok."

 

Ich habe sie heute weder winseln, noch knurren geschweige denn bellen gehört. Also alles wie immer, wenn wir zusammen sind. Mir scheint, es ist alles ok für sie und sie trauert ihrem Doppelzimmer in der Feuchter Herberge nicht nach.

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, 15.7.2005 - Celia

 

Sie ist nicht gekommen. Nicht morgens, nicht nachmittags. Ich verstehe das nicht. Hat sie mich nicht mehr lieb? Habe ich etwas falsch gemacht? Sie hat gestern so wehmütig geschaut, als sie gegangen ist...

 

 

 

 

Donnerstag, 14.7.2005 - Celia

 

Bestanden! Den Katzentest hätten sie sich sparen können. Hab ich mit links gemacht. Hab die Viecher quasi einfach links liegen lassen und nur darauf gewartet, dass ich endlich mit Fraule in den Wald gehen kann.

 

Nachmittags waren wir nach langer Zeit mal wieder zu Viert im Wald. Tuscon, ich und die Zweibeiner am Ende der Leinen. War eine Affenhitze heute. Trotzdem sind wir eineinhalb Stunden durch den Wald gelaufen. ALLE Zungen hingen bis zum Boden.

 

 

 

 

Mittwoch, 13.7.2005 - Celia

 

Das Leben wird von Tag zu Tag schöner. Morgens war ich mit Tuscon gerade im offenen Teil des Zwingers, als ich mein Fraule gerochen habe. Sie hat mich nicht mal rufen müssen. Tuscon und ich sind gleich durch die Luke in unser Abteil gerannt und am Fenster hochgesprungen. Ich war ganz aufgeregt vor lauter Freude. Als sie dann endlich zu uns rein kam, hätten wir sie beinahe umgeworfen, weil wir uns beide gleichzeitig auf sie gestürzt haben. Ich war sooo froh, sie zu sehen. Erst mal haben wir Drei noch eine Weile herumgebalgt und geknuddelt, dann hat mich Fraule angeleint. Ich hab ganz vergessen, mich zu fürchten und bin einfach so mit ihr aus unserem Abteil in den Flur gegangen. Tuscon hat vielleicht blöd geguggt. Der hat das bei mir nämlich noch nie erlebt und außerdem durfte er nicht mit, weil noch kein Gassigeher für ihn da war. Und dann bin ich mit Fraule einfach so durch die Gänge gelaufen, als ob es das normalste von der Welt wäre. Alle Pfleger und Gassigeher, die uns gesehen haben, haben sich erst mal gewundert und dann gestrahlt und sich gefreut, weil Fraule und ich so tolle Fortschritte machen. Dann sind wir erst zum Wasser gelaufen. Ich war dreimal drin. Fraule ist so lange stehen geblieben, bis ich keine Lust mehr zum Wassertreten und Spritzen und Schütteln hatte. Danach waren wir noch gaaanz lange spazieren im Wald und ich hatte überhaupt keine Angst. Fraule musste mich kein einziges Mal überreden weiterzugehen. Wenn sie gesagt hat "komm", bin ich einfach mit ihr weitergegangen. Sie ist auch nicht ungeduldig geworden, als ich mich so lange im Blaubeergestrüpp gewälzt und Ästchen zerbissen habe. Wenn ich keine Lust mehr hatte, bin ich sowieso wieder zu ihr hin gelaufen. Das war der allerschönste Spaziergang, den ich jemals hatte. Und an den Tuscon hab ich überhaupt nicht mehr gedacht. Erst zum Schluss ist mir aufgefallen, dass ich die Schüsse der Jäger von vorgestern vor lauter Freude ganz vergessen hatte.

Weil ich hinterher recht müde war, ist Fraule dann auch nicht mehr so lange bei mir geblieben und hat mich in Ruhe gelassen. Das ist auch in Ordnung für mich, ich weiß ja, dass sie mich bald wieder besuchen kommt.

 

Natürlich ist Fraule nachmittags nochmal gekommen. Natürlich haben Tuscon und ich sie angemessen begrüßt. Natürlich hat sie uns gekrault. Natürlich wollte sie mit mir Gassi gehen. Natürlich hatte ich Lust darauf. Aber dann hat sich der Tuscon aufgeführt, weil er auch mit wollte. Mit seinem Rumgespringe und Gewinsel hat mich der blöde Kerl so kirre gemacht, dass ich ganz durcheinander war und Fraule mir wieder helfen musste, damit wir aus dem Zwinger raus kamen. Sein Gejaule hat uns verfolgt, bis wir aus dem Haus waren. Aber da hat es mir dann nichts mehr ausgemacht und wir hatten den schönsten und längsten Spaziergang aller Zeiten. Ich hab Fraule heute das hinterste Wasserloch in der Nähe der Autobahn gezeigt. Die hat vielleicht geguggt. Auf dem Heimweg hat sie mit mir ein wenig "Bei-Fuß-gehen" geübt. Ich hab mich ganz doll angestrengt herauszufinden, was sie von mir will. Irgendwie muss ich's richtig gemacht haben, weil sie mich gelobt hat. Was das Wort "nein" bedeutet, wenn ich in einen anderen Weg einbiegen will als sie, das weiß ich jetzt auch schon. Sie muss dann überhaupt nicht mehr an meiner Leine ziehen. Eigentlich verstehe ich ja nur französisch, aber ich will alles schnell lernen, damit mein Fraule stolz auf mich ist. Alle Hundefreunde sollen sie um mich beneiden. Morgen früh muss ich übrigens einen Katzentest machen. Ich hab keine Ahnung, was die von mir wollen.

 

 

 

 

Dienstag, 12.7.2005 - Celia

 

Nachmittags durfte ich mit Tuscon auf die Spielwiese. Da konnten wir endlich mal nach Herzenslust toben. Und dann ist noch mein Fraule gekommen. Wir haben uns so gefreut, dass Tuscon und ich wie die Verrückten am Zaun hochgesprungen sind und unsere Nasen und Pfoten durch's Gitter zu ihr hingestreckt haben. Tuscon war dann allerdings ziemlich eingeschnappt, weil er nicht mit Gassigehen durfte. Sie hat nur mich geholt!

Anfangs hatte ich überhaupt keine Angst und bin mit ihr zügig bis zum Wald gelaufen. Aber dann ist mir eingefallen, dass die Jäger da gestern Abend geschossen haben und sofort hab ich wieder Angst bekommen. Ich bin dann aber trotzdem mit Fraule zum Wasser gelaufen und hab mir die Füße und den Bauch abgekühlt. Ich musste immer wieder stehen bleiben und mein Fraule musste mich ermuntern, damit ich weitergehen konnte. Nach einer dreiviertel Stunde hat das aber auch nichts mehr geholfen und wir sind wieder zurück zum Tierheim gelaufen. Als ich wieder in meinem Körbchen lag, war ich ganz schön kaputt von der Aufregung. Fraule hat mich eine Weile in Ruhe gelassen und sich wieder auf das Podest gesetzt. Da war ich auch ganz froh drüber. Ich glaube, sie spürt das einfach, wenn mir alles zuviel ist. Später hat sie mich dann zum ersten Mal gekämmt und gebürstet. Erst nur auf einer Seite, weil ich ja noch im Körbchen lag. Wenn ich ehrlich bin, war das ganz angenehm, vor allem das Bürsten. Mein Fell glänzt jetzt sogar ein Bisschen und sie hat mir eine Menge Unterwolle herausgekämmt. Dann hat sie sich wieder auf ihr Podest gesetzt. Irgendwann hat sie meinen Namen gerufen und dann bin ich gleich zu ihr gesprungen und die ganze Zeit bei ihr geblieben. Sie hat mich dann noch fertig gebürstet und ich hab sie beschnuppert und ihr zwei Nasenstupser auf ihre Nase gegeben. Da hat sie nur gelacht und meine Schnauze gepackt. Ich hab dann wieder ihre Hand in meine Schnauze genommen, weil die so gut riecht und schmeckt - nach Fraule eben. Dabei pass ich aber immer ganz doll auf, dass ich ihr ja nicht weh tue. Ich will ja nicht, dass sie Angst vor mir bekommt.

Später kam noch der Tuscon mit einem Schweineohr rein und hat sich neben sie gelegt. Als Fraule eine Hand bewegte, hat er getan, als wolle er nach ihr schnappen. Der war bestimmt noch sauer, weil er nicht gleich mitgedurft hat und wegen gestern, weil er draußen hat warten müssen. Aber mein Fraule ist trotzdem da geblieben, bis wir das Abendessen bekommen haben.

 

 

 

 

Montag, 11.7.2005 - Celia

 

Heute ist mein Fraule den ganzen Tag nicht gekommen. Das war schon ein bisschen komisch, weil sie am Wochenende so viel Zeit bei mir verbracht hat, dass ich mich schon richtig an sie gewöhnt habe. Abends wollte auch niemand mit mir Gassi gehen, bis sich Alex erbarmte und mich mit Tuscon hinaus führte. Im Wald war es diesmal überhaupt nicht schön, weil die Jäger immerzu geschossen haben. Ich hatte große Angst, warf mich auf den Boden und Alex musste mich ein Stückchen tragen, weil ich keinen Schritt mehr laufen wollte. Plötzlich kam jemand auf uns zugerannt. Als dieser Mensch meinen Namen rief, wusste ich zwar, dass es mein Fraule war, aber vor lauter Angst konnte ich mich gar nicht richtig freuen. Dem Tuscon war das wie immer egal und er stürzte sich gleich auf mein Fraule, um sich seine Streicheleinheiten abzuholen. Streicheln und Kraulen kann sie nämlich so gut, dass der Tuscon sich auch immer ganz arg freut, wenn sie zu uns in den Zwinger kommt. Dann sitzt sie immer neben meinem Körbchen und krault mich mit der linken Hand und der Tuscon legt sich neben sie und wird mit der rechten Hand gekrault. Das ist dann so friedlich und kuschelig, dass ich mir wünsche, dass es immer so bleibt. Wir drei zusammen wären ein super Team.

Gestern Vormittag hat mir der Tuscon gezeigt, wie man mein Fraule richtig begrüßt. Ich hab mich dann auch gleich auf die Hinterbeine gestellt und meine Vorderpfoten auf ihrer Bauchtasche abgestützt. Das hat auf Anhieb funktioniert und mein Fraule hat sich nicht mal bücken müssen, um mir den Kopf zu kraulen. Es war das erste Mal, dass ich das probiert habe und ich war ganz aufgeregt, weil es gleich geklappt hat.

Heute hat sie sich nach dem Gassigehen nicht neben mein Körbchen gesetzt, sondern auf das Podest am Fenster. Da bin ich gleich zu ihr hingegangen und hab sie von unten bis oben beschnuppert. Zum Schluss hab ich dann mit meiner Nase ihre Nase angestupst. Das hat ihr bestimmt gefallen, dass ich mich das getraut habe, weil sie mich danach ganz fest geknuddelt hat. Zwischendurch bin ich immer wieder zu meinem Napf gegangen, weil ich mit dem Abendessen noch nicht fertig war. Ich hatte überhaupt keine Lust, in mein Körbchen zu gehen. Als ich mit dem Fressen fertig war, hab ich sie angeschaut. Da hat sie mit der Hand auf den Boden neben sich geklopft und ich bin gleich über sie hinweg gesprungen und hab mich wieder auf den freien Platz neben sie gelegt. Ich war so froh, dass sie noch ein wenig bei mir geblieben ist. Wir waren nämlich zum ersten Mal ganz allein im Zwinger. Den Tuscon haben die Pfleger zum Fressen rausgesperrt. Er hat sich immer wieder außen an der Tür aufgerichtet, damit er zum Fenster zu uns rein sehen konnte. Als er uns gesehen hat, hat er vor Verzweiflung geheult, weil er so gerne bei uns gewesen wäre. Ein Bisschen tat er mir schon Leid, aber eigentlich war ich froh, dass ich für einige Zeit mein Fraule ganz allein für mich hatte.

Fast hätte ich es vergessen: Fraule hat mir heute ein neues Halsband mit einem Anhänger geschenkt. Ich glaube, jetzt gehören wir wirklich zusammen.

 

 

 

 

Samstag, 9.7.2005 - Celia

 

Heute nachmittag ist die Frau wieder gekommen, die letztes Wochenende schon da gewesen ist. Ich hab schon gedacht, dass sie mich nicht wirklich gemocht hat, weil sie mich nicht mehr besucht hat. Dabei hatte ich mich doch von Anfang an bemüht, ganz lieb und brav zu sein. Wir haben einen langen Spaziergang gemacht und ich habe mich richtig angestrengt, einen guten Eindruck zu machen. Einmal hat sie sich auf eine Bank gesetzt. Ich hab erst ein bissl geschaut und geschnuppert, dann bin ich zu ihr hingegangen und hab mich ganz nah an sie rangedrückt. Ich glaube, darüber hat sie sich am meisten gefreut, weil sie mich ganz doll gekrault und gedrückt hat. Mir hat das so gefallen, dass ich sogar ein Leckerli gefressen hab, obwohl wir draußen waren. Das hab ich noch nie gemacht, wenn andere mit mir Gassi gegangen sind. Ich glaub, ich hab jetzt ein richtiges, eigenes Fraule. Hoffentlich kommt sie bald wieder.

 

 

 

 

 

Sonntag, 3.7.2005 - Celia

 

Heute Nachmittag war ein richtiger Aufruhr vor meinem Zwinger, ehe ich raus durfte. Meine normalen Gassigeh-Leute waren da und dann noch welche, die auch mit mir gehen wollten und dann die Frau, mit der ich gestern zum ersten Mal gegangen bin. Ich hab nicht kapiert, worum es da gegangen ist, war mir auch egal, ich wollte einfach nur raus und zwar am liebsten mit meinem Freund Tuscon und das hat dann auch nach einer Weile endlich geklappt. Meine eigentlichen Gassigeher sind mit Tuscon und mir gegangen und die Frau von gestern hat uns begleitet. Wir waren sehr lange unterwegs, weil ich überhaupt keine Angst habe, wenn Tuscon mit dabei ist. Da macht mir das Gassigehen im Wald erst so richtig Spaß.

Die neue Frau ist hinterher noch ein wenig mit in den Zwinger gekommen und hat Tuscon und mich gekrault und gestreichelt und ganz lieb und ruhig mit uns gesprochen. Ich glaube, sie mag mich und ich finde sie auch ganz in Ordnung. Wenn ich groggy bin vom Laufen und Angsthaben drücke ich gern meine Nase in ihre Hand. Sie hält ihre Hand dann ganz still und wenn die anderen Hunde nebenan nicht immer so einen Lärm machen würden, würde ich beim Geruch ihrer Hand schlagartig einschlafen.

 

 

 

 

Samstag, 2.7.2005 - Celia

 

Heute Nachmittag ist mit dem Pfleger eine neue Frau in meinen Zwinger gekommen. Ich hatte überhaupt keine Angst vor ihr, weil sie sich gleich vor mein Körbchen hingesetzt und ruhig mit mir gesprochen hat. Sie hat mich an der Schnauze gestreichelt. Das hat mir so gut gefallen, dass ich meine Schnauze gleich in ihre Hand gedrückt hab. Sie ist dann mit dem Pfleger wieder rausgegangen.

Später kam sie dann nochmal und ist mit mir Gassi gegangen. Weit sind wir nicht gekommen, weil ich draußen alleine so viel Angst habe, dass ich mich immer hinsetzen und hinlegen muss. Sie hat mich nicht gezwungen weiterzugehen und mir ganz lange den Bauch gekrault. Das war so schön, dass ich fast eingeschlafen wäre dabei. Aber ich weiß nicht, ob ihr das auch so gefallen hat wie mir. Die Menschen wollen ja immer weit laufen draußen, aber ich schaff das manchmal einfach nicht. Dafür hab ich auf dem Rückweg ganz schön Gas gegeben. Entkommen konnte ich ihr aber nicht. Die hat richtig gut aufgepasst und die Leine festgehalten.

 

Das hier ist übrigens mein Freund Tuscon, mit dem ich mir den Zwinger teile. Wir haben uns sehr lieb und sind beide froh, dass wir nicht alleine sein müssen.

 

 

 

 

Vorwort - Celia:

 

Mein Fraule hat mir einen Platz auf ihrer Homepage eingerichtet, damit ich Tagebuch schreiben kann. Dass ich keine Schriftstellerin bin, werdet ihr gleich merken, wenn ihr die anderen Seiten dort gelesen habt. Aber das macht mir nichts aus. Ich steh da drüber und rede bzw. tippe einfach frei Schnauze. Wenigstens kann ICH sicher sein, dass mein Geschreibsel JEDER versteht. Darauf ein herzhaftes Wuff!

Ja, ihr habt richtig gehört. Ich bin ja immer so ruhig, dass manche glauben, dass ich überhaupt nicht richtig bellen kann. Von wegen. Wenn ich wirklich will, hört sich das an, wie bei einem reinrassigen Schäferhund, obwohl ich nur halb so groß bin. Aber im Gegensatz zu denen hab ich's nicht nötig, mich auf diese Weise wichtig zu machen. Ich kämpfe lieber mit den Waffen einer Frau *treuherzig schau*

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